Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Gold und Silber
Person:
Luthmer, Ferdinand
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1658998
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1659810
Abschnitt. 
der Goldschmiedckunst. 
WVcrke 
Die 
der Ufer des schwarzen Meeres, der in der ältesten griechischen 
Sage schon seinen Ausdruck in der Erzählung vom goldenen Vlies 
fand, hatte um diese Zeit nicht nur grofse Goldfaktoreien unter 
griechischer Leitung, sondern auch griechische Künstler zur Verarbei- 
tung dieses Edelmetalls dorthin gezogen, die ihre Arbeiten sowohl 
nach dem griechischen Mutterland wie nach den benachbarten Ländern 
der Barbaren lieferten. Für die altitalische Geschmeidekunst endlich 
sind die Funde in den alten Nekropolen des etruskischen Volks- 
stammes, Vulci, Cervetri, und der anderen Nachbarstätmme der 
Latiner, Tarquinii, Praeneste u. a. die reichlich tliefsende Quelle 
unserer Kenntnis, welche alle Museen mit schönen und mannigfaltigen 
Proben dieser antiken Kunstthätigkeit gefüllt haben. Weit weniger 
reichlich sind die Schmuckstücke aus der unzweifelhaft so viel üppigeren 
Zeit des späteren Römerreichs vorhanden, so dass wir uns hier wieder 
mehr auf dasjenige angewiesen sehen, was die Gewandstatuen dieser 
Zeit uns lehren. 
Von dem als Gehänge zu bezeichnenden Schmuck nimmt die 
erste Stelle das Ohr- oder, wie man hier vielleicht besser sagen würde, 
Kopfgehänge ein. Denn in sehr vielen Fällen macht schon die bis 
zu 20 cm steigende Länge und das Gewicht dieser Schmuckstücke 
die Befestigung derselben im Ohrläppchen unmöglich. Wir dürfen 
annehmen, dass solches Gehänge an der Stirnbinde befestigt wurde, 
und über das Ohr, oder auch weiter vorn über die Schlafe herabhing. 
(Fig. I6.) Auch so erfüllte es, und wahrscheinlich in erhöhtem Mafse, die 
Funktion, die der symmetrisch hängende Kopfschmuck überhaupt hat: 
die Masse des Hauptes gröfser, seine Bewegung, welcher sich das 
schaukelnde Gehänge anschloss, bedeutender zu machen. Selbstver- 
ständlich schloss der erwähnte, schwere, aus vielen Einzelelementen 
zusammengesetzte Schmuck jede schnelle, hastige Bewegung aus und 
bedingte als weiteres Motiv einer bedeutenden Erscheinung der Per- 
sönlichkeit auch deren langsames, würdevolles Einherschreiten. Viel- 
leicht können wir hiernach das Kopfgehänge in zwei Gruppen teilen: 
neben der erwähnten, für priesterlichen Schmuck und feierliche Hand- 
lungen bestimmten eine zweite, einfachere, die, in das Ohrläppchen 
eingefügt und kurz gehalten, ja bisweilen zum Knopf oder zur Rosette 
vereinfacht, auch eine lebhaftere Bewegung der so geschmückten 
Person gestattete. 
Die einfachste Gestaltung der letzteren, einfachen Art bildet 
der offene Rig, dessen oberer, zum Durchstecken durch das Ohrloch 
bestimmter Teil dünn und glatt ist, während der untere verdickt, sei 
es aus mehreren Drähten zusammengewunden oder aus Blechschalen 
mit Filigranverzierung gebildet ist, so dass er im letzteren Falle wohl 
die Gestalt eines kleinen Halbmondes annimmt. An diesen Ring ist 
dann das eigentliche Hänge-Motiv angehängt, in welchem wir der 
gröfsten Mannigfaltigkeit der Erfindungen begegnen. Nur selten be-
        

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