Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Gold und Silber
Person:
Luthmer, Ferdinand
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1658998
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1659778
die es den Granden von Frankreich und Spanien zur Pflicht machte, 
wenn sie vor das Auge ihres Herrschers traten, in blitzenden Steinen 
das ganze Vermögen, den Wert ihrer Güter und Forsten auf ihrer 
und ihrer Frauen Kostüm zu tragen. 
Aber auch hier trat eine Reaktion ein: die letzten Jahre des 
Sonnenkönigs verlaufen in Bufse und Trauer. Die Regentschaftszeit 
lässt die beiseite gelegten Diamanten wieder auftauchen;  aber der 
Geschmack hat sich verfeinert, man beginnt wieder neben dem Wert 
des Stückes die Schönheit der Arbeit, die Vollendung der Ziselierung 
zu beachten. Das kokette Zurückgreifen zu einfachen Lebens- 
bedingungen, welches sich in den Bergerien der Zeit Louis' XV. aus- 
spricht, hat auch für das Geschmeide eine Rückkehr zum einfachen 
Golde zur folge, welches, höchstens durch Emailmalerei gehoben, 
oder in schwacher Färbung abgetönt, seinen Hauptwert in eleganter 
Knappheit der Form und unübertrefflicher Ausführung sucht. That- 
sächlich ist die Zeit des Rokoko-Schmuckes diejenige einer technischen 
Durchführung, wie sie weder vor- noch nachher je erreicht worden ist. 
Während diese Vorzüge der Ausführung noch bis zum Ende des 
I8. Jahrhunderts bleiben, ist der mächtige Zug nach der römischen 
Antike, der sich an die Ausgrabungen von Pompeji knüpft, auch für 
unsere Kunst nicht ohne Einfluss; wir haben ein Geschmeide der 
Revolution und des ersten Kaiserreiches, das in seinen Formen genau 
so hart und trocken ist wie die Architektur und das Mobiliar dieser 
Epoche. Was alsdann folgt, liegt in seinem planlosen Schwanken, 
seinen energielosen Versuchen der Wiedererweckung vergangener 
Formen uns so nahe, dass es noch nicht in den Rahmen einer ge- 
schichtlichen Betrachtung gehört. Wollen wir mit einem kurzen Schlag- 
wort den Charakter der jetzt herrschenden Richtung im Geschmeide 
angeben, so können wir sagen: wie die griechisch-römische Antike die 
Zeit des kunstvoll verarbeiteten Goldes, die Renaissance die Zeit des 
farbigen Geschmeides in Email und bunten Steinen war, so bevorzugt 
unsere Zeit fast ausschliefslich den Brillanten, der keine anderen Effekte 
neben sich duldet und selbst die Fassung nach Möglichkeit zurück- 
drängt, ja zur völligen Unsichtbarkeit verurteilt.
        

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