Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Gold und Silber
Person:
Luthmer, Ferdinand
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1658998
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1659758
Abschnitt. 
Goldschmiedekuxmst. 
Werke 
Die 
zeitweilig zurück, bis der Luxus des späteren Mittelalters in dem 
prunkliebenden burgundischen Hofe einen neuen Anstofs für die Aus- 
bildung des Schmuckwerks brachte. 
Der Einiiufs des Orients, der im 4. und 5. Jahrhundert seinen 
Weg über Byzanz genommen und durch die Herrschaft der Araber 
in Spanien und Sizilien im 8. und 9. Jahrhundert neue Kraft ge- 
wonnen hatte, wuchs erheblich in der Zeit der Kreuzzüge. Nicht 
allein die Eindrücke, welche die Ritter und Fürsten des Abendlandes 
in den hochkultivierten Ländern Syriens und Palästinas empfangen 
hatten, sondern vor allem die Proben von Geschmeiden in Gold und 
edlen Steinen, welche sie als Beutestücke von dort zurückbrachten, 
übten einen nachhaltigen Einfluss auf den Geschmack des Abend- 
landes aus, Es begann nicht nur eine regelmäfsige Einfuhr dieser 
Schätze, sondern auch ein Heranziehen der geschickten Handwerker 
aus den vorderasiatischen Städten, und für beides übernahmen Venedig 
und Genua die Vermittelung. 
In dieser Zeit beginnt auch das Geschmeide eine weitere Be- 
deutung anzunehmen, als diejenige eines Schmuckes der Person und 
einer Augenweide: sein materieller Wert tritt mehr in den Vorder- 
grund. Es beginnt die Zeit der Familien- und Hausschätze. Die 
Unsicherheit der Lebenslage macht es dem Einzelnen wünschenswert, 
seinen Besitz als "fahrende Habe" mit sich führen zu können. Ein 
unglücklicher Krieg, königliche Ungnade konnten einen Herzog oder 
Baron sein Land und seine Schlösser kosten  die bewegliche Habe 
an Edelsteinen, Goldschmuck und Silbergerät, die er leicht mit sich 
führen konnte, war nicht den Launen seines Herren ausgesetzt. So 
zeigen uns die aus jener Zeit reichlich erhaltenen fürstlichen Inventare 
trotz des kriegerischen Charakters des Mittelalters oder vielleicht sogar 
wegen desselben ein erstaunliches Anwachsen der Kleinodien und 
Schätze aller dieser grofsen und kleinen Herren, weltlicher sowohl wie 
geistlicher. Damit geht eine entsprechende Steigerung der Leistungs- 
fähigkeit der Edelmetallarbeiter Hand in Hand. Vielleicht hängt es 
mit dieser veränderten Bedeutung des Schmuckwerkes zusammen, dass 
uns aus dieser Zeit nur noch Wenig Gräberfunde, wie überhaupt sehr 
spärliche Originale erhalten sind: Das Geschmeide hatte eben den 
Charakter des Geldes angenommen, ging aus einer Hand in die 
andere, oder musste, wemi es in festem Besitze blieb, sich dem 
Wechsel der Mode anbequemen und häufige Umfassungen durch- 
machen. 
So werden wir die Quellen für die Kenntnis des Schmuckes dieser 
Epoche anderwärts zu suchen haben: zuerst auf den Grabsteinen, die 
uns die schönsten Kostümgestalten mit besonders sorgfältiger Dar- 
stellung des Schrnuckes erhalten haben. Nicht minder dient uns eine 
gewisse Lieblingsströmung in den Miniaturen und Bücheromamenten 
jener Zeit, die mit Vorliebe gefasste Edelsteine und anderes Schmuck-
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.