Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Gold und Silber
Person:
Luthmer, Ferdinand
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1658998
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1659748
Das 
Geschmeide. 
bllrg aufbewahrten Funde aus der Krim genügenden Anhalt. Sehr 
Wahrscheinlich haben wir Griechen und Etrusker als die Lehrer der 
Römer für die Bearbeitung des Edelmetalls zu Geschmeide anzusehen; 
Wenigstens macht es die Sinnesart dieses kriegerischen Volkes und die 
häufigen Luxusverbote, denen wir in ihrer Gesetzgebung begegnen, 
nicht wahrscheinlich, dass sie die Schmuckindustrie in den ersten Iahr- 
hunderten ihrer Geschichte sonderlich begünstigt hätten. Anders wurde 
ES, als sich ihre Herrschaft allmählich über den ganzen bekannten 
Erdkreis ausbreitete und die Eroberer in ihrer Hauptstadt den Luxus 
des Orients und die Erzeugnisse von den fernsten Ländern zusammen- 
fliefsen sahen. Immer scheint aber, nach den Gräberfunden in Italien 
Zu urteilen, die ursprünglich etruskische Art des Geschmeides den 
Grundzug gebildet zu haben, so dass wir nicht sehr irre gehen werden, 
Wenn wir als den Typus des Goldschmucks der antiken, griechisch- 
römischen Welt das Vorwiegen des schön verarbeiteten, mit Filigran- 
arbeit verzierten Goldes ohne hervortretende farbige Wirkung_- sei die- 
selbe durch Steine oder Schmelz hervorgebracht  bezeichnen. 
Überaus reichlich sind die Gräberfunde aus der Zeit des Ver- 
falls des Römerreiches, als Jahrhunderte hindurch die Wanderungen 
germanischer und asiatischer Stämme, die sich als ununterbrochener 
Strom von Osten nach Westen zogen, Besitzverhältnisse und Nationali- 
täten von einem Menschenalter zum anderen verschoben. Aus diesem 
Grunde wird es auch eine schwer zu lösende Frage bleiben, welchen 
Volksstämmen diese oft auf missverstandener römisch-griechischer 
Tradition beruhenden, oft auch mit einheimisch-barbarischen F omi- 
gedanken durchsetzten Schmuckstücke zuzuschreiben sind. Wenn man 
das häufige Auftreten der Emaille mit Falize auch aus einer in Gallien 
ursprünglich einheimischen Technik erklären will, so hat auf der anderen 
Seite die Vermutung viel für sich, dass die ziemlich verbreitete Ver- 
fertigung von Schmelzarbeiten am Niederrhein in den ersten Jahr- 
hunderten des Christentums durch die Kirche, vielleicht durch Ver- 
mittelung griechischer Mönche befördert worden sei. Ein Markstein 
für die hohe Stufe, welche die kunstgewerblichen Leistungen der 
Klöster in dieser Gegend im frühesten Mittelalter erreicht hatten, ist 
das erste technologische Handbuch, die „Schedula diversarum artium", 
welche, wie nach den Forschungen A. Ilgs jetzt festzustehen scheint, 
von dem Mönche Rugkerus unter dem Namen Theophilus in dem 
hessischen Kloster Helmershausen kurz vor dem Jahre 1100 verfasst 
Sind, augenscheinlich aber in ihren Vorschriften, namentlich über die 
Techniken des Goldarbeiters, die uralten Kenntnisse und Handgriffe 
byzantinischer Werkleute wiedergeben. Auf_ dieser Ausbildung der 
klösterlichen Kunsthandwerker fufst dann die außerordentlich reiche 
Produktion an Edelmetallarbeit, welche die Kirche der romanischen 
und gotischen Stilperiode für ihren Dienst verlangt. Allerdings trat 
vielleicht das Geschmeide vor der Produktion von kirchlichem Gerät 
Luthrner, Gold und Silber. 4
        

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