Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Gold und Silber
Person:
Luthmer, Ferdinand
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1658998
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1659727
D215 
Geschmeide. 
handlung zu teil werden lassen, die meisten der anderen wenigstens 
ZU streifen. 
Die Neigung der Menschen, ihre Person durch schmückende Zu- 
thaten schöner, bedeutender, auffallender zu machen, ist so alt wie 
das Kostüm überhaupt, ja vielleicht ursprünglicher als dieses; denn 
wir finden bei Völkern, denen Klima und Kulturgrad noch nicht das 
Bedürfnis nach irgend welcher Verhüllung des Körpers nahegelegt 
haben, doch schon den Schmuck ausgebildet, mag derselbe auch nur 
in einer durch die Lippen gesteckten Muschel oder in Tättowierung 
der Haut bestehen. Von diesen rohesten Anfängen bis zu den 
raffiniertesten Künsten der Bijouterie verfolgt aber das Geschmeide 
immer nur die gleichen, in wenige Sätze zu fassenden Zwecke: Her- 
vorhebung einzelner Körperteile durch glänzende, kunstschöne Gegen- 
stände, die das Auge des Beschauers unwillkürlich nach der gewollten 
Richtung leiten: so wird die Aufmerksamkeit auf eine schöne Hand 
durch den Brillantring hingelenlat, der sie schmückt. Ferner: Anderung, 
meist Bereicherung der Silhuette und damit Ausgleichung wirklicher 
oder eingebildeter Fehler; so erscheint ein magerer Oberarm voller, 
wenn eine goldene Schlange als Armband sich um ihn zu ringeln 
scheint; ein breit entwickeltes Ohrgehänge lässt ein allzuschrnales Ge- 
Sicht breiter erscheinen. Endlich Durchschneidung und Teilung der 
Linien des Körpers und der Gewandung nach gewissen, meist unbewusst 
befolgten malerischen Gesetzen. In diese Kategorie gehören Gürtel 
und Halsketten, die dem lang herabwallenden Zug der Falten ein 
unterbrechendes Gegengewicht abgeben. Seine Zugehörigkeit zum 
Kostüm beweist das Geschmeide in der unbedingten Abhängigkeit 
von der Mode. 
Wenn wir auch in der folgenden Aufzählung des menschlichen 
Schmuckes der von Semper eingeführten Unterscheidung in "hängen- 
den", "ringförmigen" und "Richtungsschmuck" im allgemeinen folgen, 
so werden wir doch finden, dass eine Menge von Grenzgebieten diese 
an sich durchaus logische Unterscheidung verwischen. Ehe wir jedoch 
näher hierauf eingehen, wird es sich empfehlen, in einem raschen 
Überblick, bei welchem uns der Gedankengang eines Vortrags von 
dem Pariser Goldschmied Falize leiten wird, die Bedeutung und 
Auffassung des Schmuckes in den verschiedenen Kulturperioden an 
uns vorübergehen zu lassen. ' 
Das Geschmeide ist neben den Erzeugnissen der Keramik von 
allen Werken des Kunstgewerbes dasjenige, welches uns aus den 
ältesten Kulturperioden am reichlichsten überliefert und damit ein 
Mafsstzib für die Leistungen der letzteren in den dekorativen Künsten 
geworden ist. Wir verdanken dies dem in allen Perioden der Ver- 
gangenheit hochentwickelten Totenkultus, der es als eine Forderung 
der Pietät aufstellte, dass der Verstorbene in voller Ausstattung von 
Gewand, Schmuck und Waffen der Erde übergeben wurde: SO sind
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.