Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Gold und Silber
Person:
Luthmer, Ferdinand
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1658998
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1659672
Abschnitt. 
Die 
Technik. 
licher Gröfse genannt; Monstre-Perlen dieselben, wenn sie sehr 
unregelmäfsige Form haben. Die Verwendung der letzteren zu 
Schmuck- und Nippes-Sachen war in der Renaissance und Spätzeit 
eine sehr ausgedehnte. Die Goldschmiede überboten sich darin, die 
zufälligen phantastischen Formen der Perlen als Teile einer Menschen- 
und Tiergestalt anzupassen: bald wurde der Leib eines Kamels, bald 
die Büste einer Seejungfrau daraus geformt; im Museum C. von Roth- 
schilds bildet eine besonders phantastisch gestaltete Monstre-Perle eine 
Felsgrotte, unter Welcher eine büfseilde Magdalene in emailliertem 
Golde liegt. Bekannt sind endlich die musizierenden Zwerge und 
ähnliche Beispiele von der Verwendung solcher Perlen im "Grünen 
Gewölbe", die ihren letzten Vertreter in Dinglinger fand. 
Als Samen- oder Lotperlen bezeichnet man endlich die ganz 
kleinen Perlchen etwa in der Gröfse von Hirsekörnern; diese fanden 
namentlich im Frauenkostüm des 16. Iahrhunderts als Stickereien eine 
ausgedehnte Verwendung. 
Da die Natur die Perle fertig liefert, so bleibt dem Menschen 
zur Bearbeitung wenig zu thun. Das Bohren der Perlen erfolgt meist 
schon an ihrer Fundstätte; doch wird auch in Europa gelegentlich 
noch eine Perle gebohrt, was mit dem gewöhnlichen Rollenbohrer 
und dem Drehbogen ausgeführt wird; die Perle wird dabei in einen 
hölzernen Schaft festgekittet. Ganze Perlen werden jedoch nur zu 
Perlenschnüren oder als Pendeloques verwendet; zum Fassen wird 
die Perle in der Mitte durchgeschnitten und beide Hälften gebraucht; 
man erzielt. aufser der Ersparnis dadurch ein ebenes Auflager und 
eine scharfe Rundiste. Das Zerschneiden geschieht mit der Laub- 
säge, oder 1nit einer dünnen Kupferscheibe auf dem Steinschneider- 
Rad, welches unter Beihilfe von Schmirgel wie eine Kreissäge wirkt. 
Verwandt mit der Perle, wenn auch von unendlich geringerem 
WVerte ist die Perlmutterik) (nacre, vom arab. Worte Nakar, Muschel), 
wenn es auch nicht von der die Perle erzeugenden Muschel, Sondern 
von Seeschnecken, namentlich dem Nautilus Pompilius, Haliotis Iris 
undTurbo olearius gewonnen wird. Dass dies Material schon von 
den Römern zu künstlerischen Zwecken angewandt wurde, steht fest: 
der lateinische Name der Perlmutter, Porcella, hat zu mancher Kon- 
fusion in der Geschichte des Porzellans geführt, da auch die mittel- 
alterlichen Inventarien die Gefäfse aus der Perlmuttermuschel „vasa 
porcellanea" nannten. 
Die Perlmutter wurde ebensowohl zu Kleinskulpturen, Porträts, 
Heiligenfigürchen, Schach- und Damenspielen verwendet, in welcher 
Bearbeitung wir ihr schon in den Inventarien des 14. und 15. jahr- 
hunderts begegnen, als auch unzerschnitteil in der vollen Muschel- 
form als Trink- und Prunkgeräte. Die letztere Verwendung ist wohl 
Zeitschrift 
Graesse, 
f. Museologie, 
1880,
        

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