Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Gold und Silber
Person:
Luthmer, Ferdinand
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1658998
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1659650
Abschnitt. 
Technik. 
Die 
der Zeit des alten Ägyptens, in welchem Perlen, geschnittene Skarabäus- 
Käfer und Ähnliches aus türkisblauen, malachitgrünen und ähnlichen 
Glasflüssen in Menge vorkommen. Mehr als diese direkten Nach- 
ahmungen von Edelsteinen, die in ihrer Bearbeitung und der Art 
ihrer Anwendung sich von ihren Vorbildern stilistisch nicht unter- 
scheiden, interessiert uns eine Anwendung farbiger Glasilüsse, welche 
bei den Goldschmiedewerken der fränkischen Zeit und des frühesten 
Mittelalters vorkommt und als ein Ersatz für die aus dem Orient 
gekommenen Cloisonne-Emaillen anzusehen sein dürfte, deren Nach- 
ahmung erst später den Werkmeistern des Abendlandes gelang. Ob 
diese Zusammenfügung von Glasstücken auf Metallgrund ohne An- 
wendung von Feuer schon von den Völkern des Altertums geübt 
wurde, ist eine offene Frage, welche Laborde in bejahendem Sinne 
beantwortet. Jedenfalls ähneln diese aus der Merovingerzeit (Schmuck 
und Waffen aus dem Grabe des Childerich, Fund von Gourdon in 
Burgund) stammenden "kalten Emaillen" in der Art ihrer Ausführung 
durchaus der Cloisonnetechnik; die einzelnen, mosaikartig aneinander 
gefügten Glasstücke werden durch Metallstäbe, die, auf den Grund 
aufgelötet, kleine Wände bilden, gleichzeitig getrennt und festgehalten. 
Näheres hierüber s. b. Labarte, Histoire des Arts industriels, 1., von 
S. 447 an. 
Dass auch das Glasstift- sowie das Stein-Mosaik noch heute 
seine Anwendung als Schmuckmittel für Goldschmiedearbeiten findet, 
sei hier nur der Vollständigkeit halber kurz angeführt. Eine Spezialität 
des Stein-Mosaiks, als dessen Hauptsitz bekanntlich Florenz zu nennen 
ist, sei bei dieser Gelegenheit erwähnt. Es sind die Zusammen- 
stellungen von Halbedelsteinen aus den Gebirgen Sachsens, welche 
von dem Hof-Goldschmied Neuber mit besonderer Meisterschaft für 
August den Starken und seine Nachfolger hergestellt wurden. Die 
aus diesem Material meist in sehr glücklicher Farbenwahl zusammen- 
gefügten Landschaften, Bauernszenen und Ähnliches finden ihre Ver- 
wendung namentlich an Tabatieren; die Karl von Rothschildsche 
Dosensammlung in Frankfurt enthält sehr beachtenswerte Stücke. Von 
einer solchen Dose vom Jahre 1718 berichtet die Zeitschrift für 
Museologie etc. 1881, p. 27, welche dadurch interessant ist, dass sich 
ihr ein Katalog der beinahe die Zahl von 180 erreichenden Stein- 
sorten beigefügt findet. 
Wir haben jedoch in diesen Neuberschen Steinmosaiken nur 
eine Äufserung eines tief eingewurzelten Zuges, der durch die Edel- 
schmiedekunst aller Zeiten geht, uns aber besonders deutlich an den 
Erzeugnissen der Renaissance entgegentritt: der Freude an schönge- 
stalteten, farbenprächtigen oder auch nur seltsamen und darum die 
Neugierde reizenden N aturprodukten. Von den Silberabgüssen kleiner 
Piianzen- und Tier-Individuen, in welchen die Augsburger und Nürn- 
berger Meister des 16. ]ahrhunderts Meister waren, haben wir schon
        

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