Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Gold und Silber
Person:
Luthmer, Ferdinand
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1658998
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1659548
Die 
Schmuckmittcl: 
Edelsteine. 
Stein gefasst. Die obere Abstumpfungsüäche heifst die Tafel, die 
untere, kleinere die Kalette. Diese Grundform, die, wo sie selb- 
Ständig vorkommt, als Dickstein bezeichnet wird, erfährt durch Ab- 
stumpfung der Kanten eine Auüösung in eine grofse Zahl von Flä- 
Chen, "Facetten". 
2. Unter Rosenstein (Rosette, Raute) versteht man den Schnitt, 
welcher sich erklären lässt als sechsseitige Pyramide, auf der Ab- 
stumpfungsfläche einer zweiten, steileren ebensolchen Pyramide auf- 
sitzend, deren Kanten nach unten gebrochen sind, sodass ihr Auf- 
lager. ein Zwölfeck bildet. Die Rose hat nur ein Oberteil; die 
Pendeloques haben ebenfalls den Schnitt umgekehrter Rosen, denen 
als Unterteil eine zwölfseitige Pyramide angesetzt ist. 
3. 4. Als Tafelstein bezeichnet man den Schnitt, bei welchem 
die Tafel, oft in länglicher Form, fast die ganze Gröfse des Steines 
einnimmt. Dieser Schnitt war bis ins 17. Jahrhundert neben dem 
Rosensteine der für Diamanten gebräuchlichste; wie wir denn fast 
alle Bijouterien der Renaissancezeit mit Tafelsteinen besetzt sehen. 
5. Der Treppenschnitt weicht von dem des Dicksteins nur 
in sofern ab, als statt der einfachen, mit den Grundflächen zusammen- 
gesetzten abgestumpften Pyramiden wir es hier gewissermaßen mit 
Treppenpyramiden zu thun haben, die mehrfach ihren Neigungswinkel 
ändern, und zwar im Oberteil meist zwei-, in der Kulasse vier- bis 
fünfmal. Indem wir die verschiedenen Kombinationen der bisher an- 
geführten Schnitte übergehn, erwähnen wir nur noch den sogenannten 
6. mugeligen Schnitt oder Cabochon, der dem Stein 
im wesentlichen die Form einer Halbkugel, oft länglich gezogen, oder 
eiförmig zugespitzt, erteilt. In frühesten Zeiten für fast alle Edelsteine 
im Gebrauch und daher wohl als eine primitive Stufe des Edelstein- 
Schnittes anzusehen, wird er auch jetzt noch für gewisse Steine aus- 
schliefslich angewandt, die in diesem Schnitt besondere optische Eigen- 
schaften am besten zur Geltung bringen. 
Schon in sehr früher Zeit scheint man die Kunst verstanden zu 
haben, Edelsteinen, welche die spezifischen Eigenschaften ihrer Art 
nicht glänzend genug zur Geltung brachten, durch bestimmte Mittel 
aufzuhelfen. Wir nennen als wichtigste das Brennen, das Dublieren 
und endlich die kleinen Kunstgriffe bei der Fassung, welche man 
unter dem Begriff der Aufbringung zusammenfasst. Das Brennen, 
meist unter Luftabschluss ausgeführt, bezweckt, die Farbe gewisser 
Steinsorten zu verschönern, z. B. aus gelbroten Topasen lichtrote, aus 
stumpfblauen Saphiren wasserhelle zu machen, welche als Fälschung 
von Diamanten dienen. Auch kann man durch Erhitzen eine 
fehlerhafte, wolkige oder fleckige Textur mancher Steine verbessern. 
Das Dublieren besteht darin, dass man einen Stein aus zwei 
Teilen vermittelst Kanadabalsam oder Mastix zusammenklebt. Hierbei 
kann ein Teil echt, der andre aus Bergkristall oder Glas, oder beide
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.