Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Gold und Silber
Person:
Luthmer, Ferdinand
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1658998
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1659495
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Abschnitt. 
Die 
Technik. 
fahrungswcise angegeben zu haben. YVährend die Möglichkeit einer 
Ausführung dieses „F ensterschmelzes" nach der letzteren lebhaft be- 
stritten wird, hat man neuerdings das Problem unschwer gelöst, indem 
man Filigran auf einer dünnen Metallunterlage ausführte, die Zellen 
mit dem durchsichtigen Schmelz der entsprechenden Farbe anfüllte 
und nach dem Brennen die Metallunterlage durch Wegätzen entfernte. 
Die Franzosen nennen Arbeiten dieser Art Email a jour. Sie werden 
in alten Inventarien aus dem späteren Mittelalter angeführt; vorhandene 
Arbeiten sind überaus selten. 
Unter Email d'epargne oder ausgesparter Ernaille versteht man 
wohl eine Verzierungsart, die dem I8. Jahrhundert angehört und in 
Gold oder vergoldetem Silber getriebene Platten bezeichnet, deren 
Grund mit einer hellfarbigen opaken Emailschicht bedeckt ist, während 
die in Relief vorstehende Zeichnung ausgespart erscheint. Diese Art 
findet sich nicht selten bei den" unter Ludwig XIV üblich werdenden 
Chinoiserien. Daneben wird die Bezeichnung Email dkäpargne auch 
speziell auf den frühmittelalterlichen Grubenschmelz auf Kupfer und 
Bronze angewendet, bei welchem der Grund hinter der Zeichnung 
ausgehoben und mit Schmelzfarbe ausgefüllt ist, während die Figur 
des Heiligen im Metall stehen bleibt und nur die Kontur der Zeich- 
nung tief gestochen und mit schwarzem Email ausgefüllt zeigt. Nicht 
selten sind bei französischen Arbeiten dieser Art aus dem I2.]ahr- 
hundert die Köpfe der Figuren in Relief herausgetrieben, während 
alles andere flache Zeichnung ist. 
v Ebenfalls dem frühen Mittelalter angehörig ist das, was man 
als Email brun uneigentlich unter die Emailtechnik rechnet. 
Schüntgenilf) erkennt diese bei frühmittelalterlichem Kirchengeräte an- 
gewendete Zierweise in der Vorschrift aus des Theophilus schedula: 
„Wie man Kupfer schwärzt" (lib. III. cap. 70). Ein Leinölüberzug, 
der in eine blanke Rotkupferplatte im Feuer eingebrannt wird, gibt 
einen braunen, durchsichtigen, feuerbeständigen Grund, in welchen 
nun mit Radiernadel und Schabeisen die Zeichnung entweder ein- 
gekratzt, oder durch Wegnahme des Grundes ausgespart werden kann. 
Die blanken lVIetallteile gestatten alsdann noch eine Feuervergoldung, 
Diese Technik, die nach der Nachricht bei Theophilus im II. Jahr- 
hundert in Hessen und Westfalen üblich gewesen sein muss, scheint 
im I2. nach Köln, der Sieg- und endlich der Maasgegend verbreitet 
worden zu sein, bis sie im Jahrhundert der Gotik gleichzeitig mit dem 
Grubenschmelz in Vergessenheit geriet. 
Eine ebenfalls sehr seltene, in ihrer Wirkung älufserst prächtige 
Abart des Emails hat die H0chrenaissa.nce aufzuweisen: das auf 
Kristall applizierte Gold-Email, franz. Emaux resille sur verre. Ihr 
Vorbild mögen diese, man möchte sagen, im höchsten Übermut des 
nKunst 
und 
Gewerbe ' 
Jahrg. 
194
        

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