Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Gold und Silber
Person:
Luthmer, Ferdinand
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1658998
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1659470
Abschnitt. 
Technik. 
Die 
auf, die bald auch in den nördlichen Ländern eifrige Nachahmung 
findet. Es ist der Relief-Schmelz, von den Franzosen Emezz"! ä 
Öasse Zaille genannt. Der für den Schmelz bestimmte Untergrund 
wird hierbei vermittelst des Grabstichels in ganz schwachem Relief mit 
iigürlicher oder ornamentaler Zeichnung im blanken Metall versehen. 
Die aufgeschmolzenen, durchaus transluciden Farben, selten durch 
Stege getrennt, aber bei sehr sorgfältiger Behandlung doch nicht in- 
einander iiiefsend, nehmen nun, da sie auf den Lichtern dünn, in 
den Tiefen von Gewandfalten u. s. w. in dicker Lage aufliegen, eine sehr 
energische Schattierung an, die durch den ReHex des blanken Metalls 
gehoben eine hochkünstlerische Wirkung ermöglicht. Thatsächlich 
finden wir auch nach Vasaris Bericht im I5. und I6. Jahrhundert be- 
deutendere Künstler in Italien mit dieser dankbaren Art von Emaillie- 
rung beschäftigt. Ihre volle Ausübung fand auch in Frankreich und 
Deutschland mit der Renaissance Eingang. Doch scheint am Nieder- 
rhein schon in der ersten Hälfte des I4. Jahrhunderts der Effekt 
dieses durchsichtigen Emails auf reliefiertem blanken Metall bekannt 
gewesen zu sein; wenigstens weist Schnütgen auf Kirchengerät, Reli- 
quiarien (St. Ursula, Köln) u. s. W. die Anwendung gestanzter Besatz- 
teile aus Metall nach, die mit Email translucide überzogen wurden. 
Hinsichtlich des Maler-Emails von Limoges beschränken wir uns 
darauf, die Hauptmeister dieser über ein Jahrhundert blühenden Kunst 
kurz anzuführen. Wir finden die letztere in einer Anzahl von Fa- 
milien in Limoges einheimisch, in welchen sie sich vom Vater auf 
Söhne und Enkel vererbt. Die älteste ist die Familie Penicaud, deren 
ältester Vertreter Nardon etwa von 1470 bis 1539 gelebt haben muss. 
Er wie sein Nachfolger Jean Penicaud haben noch die Zeichnung 
der altfranzösischen Miniaturisten. und als Fleischton ihrer Figuren 
ein helles Lila, während Jean II und III, Sohn und Enkel des ersten, 
schon in ihrer Zeichnung italienischen Vorbildern nachfolgen. Zahl- 
reiche Emailmaler bis ins I7. Jahrhundert hinein zählt die Familie 
Limosin, als deren ältester uns Leonard bekannt wird; seine Nach- 
folger heifsen Jehan und Francois. Nicht minder die Familie N ouailher. 
Als fruchtbarster Künstler gilt jedoch der von 1534 an auftretende 
Pierre Reymond, dessen Bilder fast durchweg auf schwarzem Grund 
in Grisaille mit zarter Andeutung der Fleischtöne gemalt sind. Der 
späteren Zeit gehören die Meister Pierre und Jehan Courtays und 
Jehan de Court an. Mit dem I7. Jahrhundert veriiacht die Email- 
malerei von Limoges in Massenproduktion für das grofse Publikum, 
während die Höfe diesem Kunstzweig ihr Interesse entziehen. Hun- 
dert Jahre später brachten es die Fortschritte der Chemie dahin, dass 
man mit bunten Farben auf weifsem Grunde malen lernte, wodurch 
der charakteristische Unterschied zwischen Emailmalerei und Miniatur- 
Inalerei auf Elfenbein oder Papier bald gänzlich verwischt und die 
Uberleitung zur später folgenden Porzellanmalerei vermittelt wurde.
        

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