Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Gold und Silber
Person:
Luthmer, Ferdinand
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1658998
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1659454
Abschnitt. 
Technik. 
Die 
Tabatieren, Etuis etc. angewendet wird: aus der im übrigen durch 
Gravierung oder dergl. zu dekorierenden Goldiiäche wird eine für 
ein Emailbild bestimmte Fläche mit dem Grabstichel vertieft ausge- 
hoben, mit weifsem Emailgrund ausgefüllt, dessen Fläche nun mit der 
Oberfläche des Goldes in einer Ebene liegt, beide zusammen abge- 
schliffen, und nun auf diesen eingelassenen Emailgrund in der Weise, 
die wir unten zu beschreiben haben werden, gemalt. 
Die beiden Hauptarten, Schmelzfarben zur Dekoration von Metall 
zu verwenden, sind der Zellenschmelz und der Grubenschmelz, 
häufiger Email cloisonne und Email champleve genannt. Bei der 
ersten Art werden durch Drähte, die auf den Metallgrund aufgelötet 
werden, kleine Abteilungen, Zellen gebildet, deren jede nur eine Farbe 
aufnimmt; die Farbengebung charakterisiert sich damit als eine Art 
Farbenmosaik, nur dadurch modifiziert, dass bei vorgeschrittener 
Technik manchmal mehrere sich schattierende Farben in eine Zelle 
gebracht werden. Die Verwandtschaft, welche diese Technik durch 
das Auüöten der Drähte auf den Metallgrund mit dem Filigran 
besitzt, sei hier nur mit dem Hinweis berührt, dass thatsächlich "im 
I5. u. I6. Jahrhundert eine in Ungarn blühende Spezialität dieser 
Technik in einem silbernen, weitmaschigen Filigran bestand, bei 
dem einzelne Zellen, z. B. Blumen und Blätter, mit Emailfarben 
ausgefüllt werden. Das Cloisonne-Email ist die dem Morgenlande 
eigentümliche Art, über deren Uranfänge uns keine sicher geschicht- 
lichen Nachrichten zu Gebote stehen, die aber heute noch in China 
und ]apan in bewundernswerter Meisterschaft geübt wird. 
Beim ChampleVe-Email wird eine zur Aufnahme des Schmelzes 
bestimmte Hache Grube in die Metalliiäche mit dem Grabstichel ein- 
gegraben, in neuerer Zeit auch wohl durch Ätzung oder Einpressen 
mit entsprechenden Stempeln vertieft; es versteht sich, dass die für 
mehrere nebeneinander stehende Farben bestimmten Gruben von- 
einander isoliert sein müssen, so dass die zwischen denselben stehen 
gebliebenen Metallstege in der Wirkung des fertigen Werkes den 
Drahtbegrenzungen des Email cloisonne durchaus ähnlich sein können. 
Der Grubenschmelz scheint die ursprüngliche Arbeitsweise des Abend- 
landes gewesen zu sein; wenigstens erscheint derselbe schon bei 
keltischen Gräberfunden und [wird mit Vorliebe weitergeübt, selbst 
nachdem im II. Jahrhundert der Zellenschmelz von Byzanz aus dem 
Abendlande bekannt gemacht wurde. Doch muss, ehe auf die ge- 
schichtliche Entwickelung kurz eingegangen werden kann, noch über 
das Technische einiges nachgeholt werden. Beim Gruben- wie beim 
Zellenschmelz wird der unter Wasser zu einem feinen Pulver zer- 
riebene Farbstoff mit kleinen Spachteln in die entsprechenden Auf- 
nahmestellen gebracht und in einem Muffelofen einem Feuer ausge- 
setzt, welches die leichtllüssige Glasmasse gerade zum Schmelzen und 
damit zum Anhaften an den Metallgrund bringt, der zum Zwecke
        

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