Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Gold und Silber
Person:
Luthmer, Ferdinand
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1658998
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1661638
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Abschnitt. 
Werke 
Die 
Goldschmiedckunst. 
desselben hat eine konische Grundform der Kuppa, die sich am 
untern und obern Rand in (meistens sechs) kugelförmige Knollen 
erweitert, die oft in schlanke Züge auslaufend sich in der eingezogenen 
Mitte begegnen. Gleiche Knollen pflegen dann am Fufs und Deckel 
angebracht zu sein. Die einspringenden Kerben zwischen den Knollen, 
die im Mittelalter mit Rollwerk ausgefüllt wurden, erscheinen jetzt 
oft mit durchbrochenem Renaissance-Ornament in Guss besetzt, Aufser 
dieser gebräuchlichsten Form, deren schönste Ausbildung wir in den 
sogen. Agleybechern kennen lemten, kommen dann Varianten mit 
kleineren Buckeln, sogen. Traubenbecher vor, bei denen Kuppa und 
Deckel ohne bemerkbare Trennung die Gestalt einer Traube annehmen. 
Eine weitere Abart sind Becher in Herzforrn, bei welchen die Knollen 
sich in prismatische Erhöhungen, wie Edelsteinschnitt verwandelt 
haben. Bei der fast unglaublichen Phantasie, welche die Künstler 
dieser Zeit in der Erfindung von Gefäfsformen beweisen, muSS darauf 
verzichtet werden, auch nur die hauptsächlichsten aufzuführen. Eine 
der nordischen und speziell der deutschen Renaissance besonders 
eigentümliche Form, die die italienische Kunst nicht kennt, ist der 
Henkelkrug ohne F ufs mit glatten, entweder cylindrischen oder 
schwach nach oben oder unten eingezogenen Wänden. Er kommt 
in allen Proportionen, schlank und gedrungen vor, in Silber getrieben 
oder glatt und graviert, in gefasstem Glas, Elfenbein, Nashom und 
Narwall. 
Besonders schön und dem schweren Gefäfs angemessen weifs 
die deutsche Frührenaissance den Henkel zu bilden, indem sie ihm 
rechteckigen Querschnitt mit Flachornament auf drei Seiten giebt; 
nahe am unteren Ansatz piiegt er durch einen profilierten Ring ab- 
geschnürt und von da an in Rankenforrn gehalten zu sein. Be- 
merkenswert ist, dass weitaus das meiste von allem Silbergerät der 
Tafel, speziell dem Trunke dient. Angesichts der mannigfaltigen 
Formen, der zahllosen Trinkspiele muss man wenigstens zugeben, dass 
die Deutschen des I6. und I7. Jahrhunderts dies ihr Laster mit 
Humor und Kunstsinn auszuüben wussten. Um die Trinkspiele 
nicht zu übergehen, so lernten wir ein sehr zier-liches, den im Drehen 
zielenden Amor von RösenerQ), bereits kennen. Andere Figuren und 
Gruppen, welche auf dem Tische umherfuhren und sich dabei be- 
wegten, sind häufig: vor allem beliebt Diana auf der Hirschkuh, 
Vulkan am Ambofs u. a. m. Fast immer beweist ein abnehmbarer 
Teil, dass das Spielzeug auch, wenn auch nicht ohne Mühe, als 
Trinkgeschirr zu benutzen war. Auch die Brautbecher gehören hier- 
"her: weibliche Figuren, deren gebauschter Rock den Becher bildet, 
heben ein kleineres, in Achsen bewegliches Becherchen über den 
Kopf; andere Trinkspiele und Tischfontänen, Figuren, welche aus 
ihren Büsten Wein oder Wohlriechendes Wasser ergossen, kleine 
Mühlen, die durch Wein getrieben wurden etc, sind hier ebenfalls
        

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