Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Gold und Silber
Person:
Luthmer, Ferdinand
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1658998
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1661264
Gefäfse, 
Geräte 
Die 
Renaissance 
Deutschland. 
201 
Becher trägt. Der untere Teil desselben ist wieder mit einem reichen 
Kranze von natürlichen Blumen- und Blätterabgüssen umgeben; darüber 
tragen drei schwebende Kinderengel den ausladenden Rand der Schale. 
Das obere Profil dieses Randes ist durch ein lustiges Spiel von 
Ranken und Blumen überragt , während im Innern drei mit den 
Armen verschlungene Chimären hocken, die eine kleine Vase mit 
einem naturalistischen Blumenstraufs tragen. jede Fläche dieser 
Komposition ist aufs reichste mit Oniament überdeckt, meist im be- 
kannten Liniengeschlinge der Mauresken, und mit Farbe. teils wirk- 
lichem Email, teils Lackfarben belebt; Spuren an verschiedenen jetzt 
in Silber gehaltenen Flächen weisen auch für diese auf frühere Be- 
malung hin. Nach Mafsgabe einer kolorierten Zeichnung vom Ende 
des I7. Jahrhunderts, die sich im Besitz der Nürnberger Familie 
Merkel, der früheren Besitzerin dieses Aufsatzes, befindet, hatte der 
letztere ursprünglich ein Gegenstück von gleicher Gröfse. Anschliefsend 
an diesen Aufsatz sei eine reizende Replik der tragenden Figur er- 
wähnt, die der Meister augenscheinlich in späteren Jahren als Daphne 
bildete, indem die erhobenen Arme in Korallenzweige endigten, die 
durch emaillierte Blättchen als Lorbeeren charakterisiert waren. Die 
Figur, in Silber getrieben, von welcher wir auf Seite 44 eine Ab- 
bildung gaben, diente als Trinkgefäls, indem sich der Oberkörper 
abheben liefs, und trug die volle Marke des Meisters; früher im Besitze 
C. von Rothschilds, ist sie bei der Erbteilung nach Paris gekommen. 
Gleichzeitig mit derselben wurde eine ebenfalls voll signierte Figur in 
Silber, einen Handwerker im Kostüm der Zeit darstellend, aufgefunden, 
ein minderwertiges Werk, welches den Gedanken nahe legte, dass der 
Meister auch solche Stücke, die nur zum Verkauf durch seine Hand 
gingen, gelegentlich mit seiner Marke versehen hat. 
Ein weiteres hervorragendes Werk Wenzel Jamnitzers ist der 
grofse Pokal, welchen Kaiser Wilhelm aus Russland erworben hat. 
Es ist ein mächtiges Werk, von wunderbarem Adel der Silhouette, 
durch reichen Figurenschmuck in Beziehung gesetzt zu seiner Be- 
stimmung, als Geschenk von vier Fürsten und vier Reichsstädten an 
den Kaiser Maximilian II. zu dienen. Die Figur des letzteren im 
Krönungsornat steht auf hohem Postament auf dem Deckel, umgeben 
von drei geistlichen und einem weltlichen Fürsten. Eine leichte Er- 
innerung an die Buckelbecher der Spätgotik, die wir sonst bei Iamnitzer 
nicht finden zeigt der obere Rand der Kuppa, der von einem 
architektonischen Motiv, einem dorischen Triglyphenfries, getragen wird. 
Dass die Anwendung dieses Motivs eine Besonderheit unseres Meisters 
gewesen sei, wie vorübergehend angenommen wurde, wird von 
M. Rosenberg geleugnet. Sehr reich ist der cylindrische Teil der 
Kuppa mit Ornament und knieenden Figuren dekoriert, welche die 
ernaillierten Wappen der Städte halten; an dem darunter angebrachten 
WVulst wechseln Masken mit frei hervortretenden Adlern. Sehr
        

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