Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Gold und Silber
Person:
Luthmer, Ferdinand
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1658998
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1661248
Gefäße, 
etc. 
Geräte 
Renaissance 
Die 
Deutsfhland. 
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kennen wir, ohne über die verwandtschaftlichen Beziehungen vollständig 
unterrichtet zu sein, mehrere Künstler, welche ihn führen. Von 
den zwei Brüdern Wenzel und Albrecht jamnitzer erfahren wir durch 
Neudörfers kurze Aufzeichnungen (1547): „Sie arbeiten beede von 
Silber und Gold, haben des Perspektiv und Mafswerk einen grofsen 
Verstand, schneiden beede Wappen und Siegel in Silber, Stein und 
Eisen, sie schmelzen die schönsten Farben von Glas und haben das 
Silberezen am höchsten gebracht. Was sie aber von Tierlein, Würm- 
lein und Schmecken von Silber giefsen, auch die silbernen Gefäfs 
damit zieren, das ist vorhin nicht erhört worden." Von Albrecht 
sind weder Arbeiten noch nähere Lebensumstände bekannt. Von 
iVenzel wissen wir, dass er I 508 in Wien geboren wurde; nach Wien 
scheint der Grofsvater Wenzels aus Wiener Neustadt eingewandert zu 
sein, wo die Familie urkundlich seit I4 31 vorkommt; der Name 
deutet auf ein Bergbau treibendes Städtchen in Mähren. Wenzel 
wurde 1543 in Nürnberg Meister, 1556 als solcher zu einem Ge- 
nannten des Rates erwählt und starb am 15. Dezember 1585 als 
„Römischkaiserlicher Majestät Goldschmidt" daselbst  dürftige Notizen, 
die uns kein Bild des Meisters geben würden, wenn sie nicht durch 
eine Reihe beglaubigter Arbeiten unterstützt würden. 
Die ihm von Neudörfer nachgerühmte Kenntnis der Perspektive 
und Messkunst bestätigt sein 1558 in Nürnberg herausgegebenes 
Werk „Perspectiva corporum regularium" und ein Astrolabium mit 
seiner Signatur, welches sich im physikalisch-astronomischen Kabinett 
in Dresden befindet. 
Die bis jetzt sicher beglaubigten Arbeiten NVenzel jamnitzers 
erreichen kaum die Zahl von einem Dutzend, sind aber zum Teil 
von so hohem Kunstwert, dass sie die hohe Schätzung verdienen, 
deren sich der Meister schon bei seinen Zeitgenossen erfreute; ein 
beiläuiiger Beweis für dieselbe ist der Umstand, dass seine Arbeiten 
bis nach Dänemark begehrt wurden, und dass der Dänenkönig 
Christian IV. einen jamnitzerbecher als besondere Kostbarkeit dem 
Zaren zum Geschenk machte, in dessen Schatz zu Moskau er noch 
heute vorhanden ist. Näheres über dieses Stück ist leider nicht be- 
kannt. Das bedeutendste Stück jamnitzers ist der sogen. Merkelsche 
Tafelaufsatz vom Rat von Nürnberg, „im Jahre 1549 von Wenzel 
]amnitzer um 132 5 fL, 19 Schilling und 10 Heller erkauft", wie das 
Ratssilberbuch von 1619 ausweist. Nach manchen Schicksalen be- 
findet sich derselbe gegenwärtig im C. von Rothschildschen Museum 
zu Frankfurt a. M. Es ist eine Silberarbeit von besonders klarer 
Komposition: auf einem Dreipasssockel erhebt sich über Erzstufen und 
von einem reichen Gewucher von Gras und Kraut in Naturabgüssen 
fast bis zum Knie verdeckt, eine weibliche Gewandfigur, die Gaea, die 
Mutter Erde, darstellend, in kräftiger Hüftstellung die Arme erhoben, 
die auf dem Kopf einen sich zu einer Schale ausbreitenden konischen
        

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