Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Gold und Silber
Person:
Luthmer, Ferdinand
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1658998
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1661108
Gefäfse, 
Geräte 
etc. 
Die Renaissance 
Deutschland. 
185 
Reliefs aber, welche in verschwenderischer Fülle die Flächen und 
Ränder der Prunkschalen, die Körper der Vasen und Kannen, die 
Seiten- und Deckelflächen der Kassetten, aber auch die Rüstungen 
und Schilde bedecken, lebt die ganze altklassische Mythologie mit 
allen Verwandlungen des Ovid und den Allegorien, die dem Geschmack 
der Zeit vor allem zusagten. Überall aber, wo die kirchliche Be- 
stimmung des Gerätes dies nicht unmittelbar ausschloss, finden wir 
heidnische Beziehungen, die den Päpsten und Kardinälen dieses 
lebensfrohen Iahrhunderts ebenso willkommen waren wie den huma- 
nistisch gebildeten Fürsten. In sehr vielen Fällen dienen die Ge- 
mälde der grofsen Meister des Cinquecento, die schon gegen Ende des 
Iahrhunderts durch Stiche allgemeiner bekannt zu werden begannen, 
den Meistern der getriebenen Arbeit als Vorlagen. 
Wenn übrigens diese Eigenschaften schon kein unterscheidendes 
Merkzeichen der italienischen Arbeiten, sondern mehr oder weniger 
auch den Werken der nordischen Renaissance eigen sind, so ist 
es noch ungleich schwieriger, solche Merkzeichen für die Minuterie- 
arbeit, die in Gold getriebenen und emaillierten figürlichen Medaillons, 
Paces, Anhänger und ähnliches zu geben. Charakteristisch für Italien 
bleibt die ä. jour-Ausführung solcher Arbeiten und nachträgliche Auf- 
lage auf eine Platte von Halbedelstein, Lapis oder Onyx. Auch macht 
sich der Einfluss der klassischen Grofsplastik Italiens wohl noch in 
diesen kleinsten Bildungen geltend in anatomisch richtiger Zeichnung 
der häufig übertrieben schlank gestalteten nackten Körper. Ein in 
dieser Hinsicht ganz bevorzugtes Stück des Rothschild-Museums in 
Frankfurt, die ]agd des Meleager in vier ausgeschnittenen Auflagen 
auf die vier Seiten eines kleinen Ebenholzdöschens (wahrscheinlich 
neuerer Ersatz für ein früheres Edelsteinkästchen), möchten wir daher 
einem der ersten Meister der italienischen Renaissance zuschreiben. 
Die 
Renaissance 
Deutschland. 
Wie schon bei der Erwähnung Cellinis angedeutet wurde, datiert 
unsere Kenntnis über die Bedeutung der deutschen Edelschmiede- 
kunst im 16. und I7. Jahrhundert erst aus jüngster Zeit; während 
ältere Kataloge den Namen des Florentiner Goldschmieds oder wenigstens 
die Bezeichnung "italienische Arbeit" ungebührlich oft enthalten, ver- 
danken wir jetzt der archivalischen und der lViarkenforschung unserer 
Kunstgelehrten, vor allein Stockbauer, Steche, Bergau, Marc Rosen- 
berg u. a. die Überzeugung, dass die deutsche Produktion an kunst- 
vollem und kostbaren Silber- und Goldgerät in der genannten Ge- 
schichtsepoche diejenige aller andern Länder an Menge und Wert 
hinter sich liefs. Indessen ging es uns mit dieser neuerworbenen
        

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