Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Gold und Silber
Person:
Luthmer, Ferdinand
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1658998
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1661097
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Abschnitt. 
Die Werke 
Goldschmiedekunst. 
des näheren erwähnt haben. Im übrigen "besteht zwischen diesen 
beiden Werken eine auffallende Ähnlichkeit, die den bemerkenswerten 
Beweis liefert, dass vom 11. bis zum 16. Jahrhundert eine grofse 
Anzahl von Handgriffen und Techniken durch Werkstatt-Über- 
lieferung sich beinahe unverändert fortgepßanzt haben müssen. 
Ohne auf das Werk Cellinis hier näher eingehen zu Wollen, sei 
nur hervorgehoben, dass dasselbe in 36 Kapiteln Vorschriften erteilt 
über Niello, Filigran, Email, Edelsteinkunde, Fassung und Aufbringung 
der einzelnen Edelsteine, die sog. Minuteriearbeit, das Schneiden von 
Stempeln und Prägen von Münzen und Medaillen, über die grofse 
Gefäfsbildnerei ("Grosseria") in ihren verschiedenen Techniken, wie 
Giefsen, Treiben, Vergolden und Färben der Metalle. 
Die Abhandlung, im einzelnen mit grofser Klarheit und Gründ- 
lichkeit abgefasst und nicht selten von anekdotischen Erzählungen aus 
der Praxis des Verfassers unterbrochen, kann noch heute als Leit- 
faden für den Gold- und Silberschmied, sowie für den Juwelier be- 
trachtet werden. 
Versuchen wir kurz zusammenzufassen, worin die charakteristische 
Erscheinung in der Form der silbernen Prunkgeräte der Renaissance, 
speziell der italienischen, zu finden ist, so haben wir vor allem die 
überall bemerkbaren Studien der antiken Kunst zu nennen. Während, 
wie wir weiter unten sehen werden, den nordischen Silberschmieden 
des I6. Jahrhunderts in der Hauptsilhouette der Gefälse und in 
manchem Detail zahlreiche Reste aus der Gotik anhafteten, die sie 
nicht abschütteln konnten oder wollten, bevorzugt der italienische 
Meister solche Profillinien und dekorative Einzelheiten, für welche er 
Vorbilder in der Antike findet. Freilich konnte er dieselben nicht 
in der Silberschmiedekunst der Römer suchen  die bedeutenderen 
Funde dieser Art geschahen erst viel später  allein er verstand, 
die etruskischen Vasen, die Prunkgefäfse aus Marmor und ähnliches, 
womit die Museen und Sammlungen sich damals zu füllen begannen, 
für seine Zwecke mit vielem Talent zu benutzen. So überraschen 
uns die silbergetriebenen Kannen und Vasen, vor allem aber die aus 
Kristall und anderen Edelsteinen geschnittenen Gefäfse der italienischen 
Renaissance durch einen ausgesprochenen Adel ihrer Silhouette. 
In den Einzelheiten des ornamentalen Beiwerks sowohl wie der 
figürlichen Darstellungen waltet dann vollständig der Geist der Re- 
naissance. Jene bewegen sich, wie schon oben gesagt, mit wunder- 
barer Freiheit in dem Ranken- und Groteskenwerk, das sich in spie- 
lender Lebendigkeit aus Pflanzenranken, Tier- und Menschenkörpern, 
Masken, geflügelten Frauenköpfen, später auch aus dem üppigen 
Kartuschenwerk des italienischen Barocko zusammensetzt. In den
        

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