Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Gold und Silber
Person:
Luthmer, Ferdinand
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1658998
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1661054
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Abschnitt. 
Werke 
Die 
Goldschmiedekunst. 
der 
denen ist der Perseus (in der Loggia de' lanzi) jedenfalls der be- 
deutendste. 
Sehen wir also den Meister in seinem langen, und man darf 
sagen, abenteuerlichen Leben vielfach mit den Werken der grofsen 
Plastik, mit Stempelschnitt für Münzen und Siegel beschäftigt, so war 
doch sein Hauptgebiet diejenige Arbeit, welche er selbst Minuteria 
nennt: die Herstellung von Geschmeide und Kleingerät aus Feingold, 
edlen Steinen, Emaillen und Niellen. Für diese Art von Arbeiten 
galt er seinen Zeitgenossen als unerreichter Meister, wie das Zeugnis 
von Vasari und von Benedetto Varchi ausdrücklich darthut. Und 
man darf nicht vergessen, dass dies Zeugnis zu einer Zeit nieder- 
gelegt wurde, als die Goldschmiedekunst in Italien auf ihrer Höhe 
stand  als die Ziselierarbeiten eines Ghiberti, eines Pollajuolo 
noch in frischer Erinnerung waren  als neben Cellinis Arbeiten zum 
Vergleich die Niellen von Maso F iniguerra, die Edelsteinfassungen 
des Michelangelo di Viviano, die Emaillen eines Amerigo, die Fili- 
granarbeiten des Piero di Nino standen, als Ambrogio Foppa seine 
besten Stücke arbeitete, Giovanni da Castel Bolognese und viele 
andere mit ihren Arbeiten Ruhm erwarben. 
Cellini erwähnt zwar in seiner Lebensbeschreibung eine nicht 
unbedeutende Zahl solcher Arbeiten ausdrücklich und noch mehr in 
summarischer Zusammenfassung; dennoch dürfen wir annehmen, dass 
die Zahl derjenigen, die er selbst oder mit Hilfe seiner Arbeiter und 
Schüler anfertigte, die erwähnten um ein bedeutendes überstieg; sagt 
er doch, dass bei seiner Verhaftung in Rom 1538 sein Laden gefüllt 
gewesen sei mit Bijouteriearbeit, was durch das bei jener Gelegenheit 
von Notaren aufgenommene und noch vorhandene Inventar lediglich 
bestätigt wird. Hier sei nur l-eine kurze Aufzählung derjenigen Stücke 
eingefügt, die in seiner Lebensbeschreibung Erwähnung finden: 
Gürtelschlösser für Männer und Frauen arbeitete er schon 
früh in seiner ersten Florentiner Zeit. Sie waren meist in Silber ge- 
trieben, mit figürlichen Darstellungen, Kinderengeln und dergl. verziert. 
Diejenigen für Frauengürtel, welche von jungverheirateten getragen 
wurden, hiefsen zu jener Zeit Chiavacuore. Ähnlich in der Kompo- 
sition waren die von ihm häufig erwähnten Barettmedaillen, in 
deren Anfertigung er dem Caradosso nacheiferte; nur dass diese von 
Gold getrieben und mit Email geschmückt zu werden pflegten. Vier 
solcher Anhänger erwähnt er ausdrücklich: die erste, die vier Figuren 
enthielt, beschreibt er nicht näher; die anderen hatten zum Gegen- 
stand: Leda mit dem Schwan, Herkules mit dem Nemeischen Löwen 
und den Atlas mit der Weltkugel, welcher bereits oben erwähnt wurde. 
Die einzige dieser Medaillen, welche auf uns gekommen ist, dürfte 
die Leda sein; man erkennt sie in einem geschnittenen Stein des 
Antiken-Kabincttes in Wien. Im jahre 1524 hatte Cellini für Donna 
Porzia Chigi in Rom eine Lilie aus Diamanten zu arbeiten, die
        

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