Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Gold und Silber
Person:
Luthmer, Ferdinand
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1658998
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1661036
178 
Abschnitt. 
Werke 
Die 
Goldschmiedekxlnst. 
Zunächst jedoch gab ihm (1530) der Auftrag Clemens' VII. für eine 
Pluvialschliefse Veranlassung, nach Rom zu gehen, wo er diese Arbeit, 
von welcher er eine sehr genaue Beschreibung giebt, nebst mehreren 
Münzstempeln zur grofsen Zufriedenheit des Bestellers ausführte. 
Auch der Nachfolger desselben, Paul III., beschäftigte ihn (1537) mit 
einem Deckel zu einem Brevier, welcher, in Feingold getrieben, auf 
das kostbarste mit Email und Edelsteinen nach Art der Bijouterien 
verziert war. Leider scheint auch dieses Werk verloren gegangen zu 
sein. Denn die drei vorhandenen Buchdeckel (in Gotha, South Ken- 
sington-Museum und früher in Neapel), welche hierfür in Anspruch 
genommen werden, entsprechen entweder Cellinis sehr detaillierter 
Beschreibung nicht oder sind, wie das erstgenannte, von minder- 
wertiger Arbeit. Dass der Meister fast sieben Jahre nacheinander 
in Rom ausharrte, muss uns um so mehr Wunder nehmen, als er aus 
dieser Zeit nicht genug von Intriguen, Nachstellungen, Raufereien 
und Duellen zu erzählen weifs, die ihm, wie wir klar erkennen, sein 
unverträglicher und missgünstiger Charakter eintrug. 
Sein erster Besuch in Paris, den er auf Franz' I. Einladung I 537 
machte, war nur von kurzer Dauer. Leider erwartete ihn, als er nach 
einem Jahre schon nach Rom zurückkehrte, eine Anklage wegen 
Unterschlagung von Edelmetall, welche er bei der Einschmelzung 
vom Schatze Clemens' VII. begangen haben sollte. Die Schilderung 
der Unbilden und Grausamkeiten, welche er während einer zwei- 
jährigen Untersuchungshaft in der Engelsburg erlitt, bis die Vermitte- 
lung des Kardinals Ippolito d'Este ihm seine Freiheit wiederschenkte, 
bilden einen der bemerkenswerten Abschntte seines Buches. 
Zu seinem Gönner Franz I. im Jahre 1540 zurückgekehrt, blieb 
er fünf Jahre in Diensten desselben und fertigte, unterstützt von 
seinen zwei Schülern, den Römern Ascanio und Paolo, eine Reihe 
hervorragender Arbeiten an. Darunter steht das Salzfass aus Silber, 
welches sich jetzt in der kaiserl. Schatzkammer in Wien befindet, 
obenan, schon vreil es als die gröfste unter den erhaltenen und 
authentischen Arbeiten Cellinis uns am ersten eine Vorstellung von 
dem Stil des Meisters giebt. Derselbe ist, was die figürliche Plastik 
anlangt, als derjenige der Nachahmer Michelangelos zu bezeichnen; 
an dem Fufsfriese des Salzfasses finden wir sogar die liegenden 
Figuren der Medici-Gräber direkt benutzt. Der Grundgedanke in 
der Komposition dieser Saliera sind das Meer und die Erde, durch 
Neptun und Galatea personiiiziert, die von entsprechenden Emblemen 
umgeben in ziemlich gezwungener Stellung einander gegenübersitzen. 
Der gröfste Auftrag, den der König dem im Schlosse Petit Nesle 
hausenden Künstler zugedacht hatte, die zwölf grofsen Planeten als 
überlebensgrofse, Leuchter tragende Göttergestalten, kam nicht über 
einige Modelle und die in Silber ausgeführte Gestalt des Jupiter 
hinaus. Auch diese existiert nicht mehr; dafür sind andere Versuche
        

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