Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Gold und Silber
Person:
Luthmer, Ferdinand
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1658998
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1660929
Gefäfse, 
Geräte 
etc. 
Die 
Renaissance 
Italien. 
167 
Eintritt gewährt werde, und von Zeit zu Zeit vernehmen wir ihr 
Anklopfen. Ein solches Anklopfen der Renaissance sehen wir zum 
Beispiel in der Wirksamkeit der Bildhauerschule von Pisa, deren 
Begründer, Giovanni Pisano, sich schon in der zweiten Hälfte des 
13. jahrhunderts an derselben Quelle begeisterte, welche im funf- 
zehnten die grofsen Meister der Renaissance bildete, der antik- 
römischen und griechischen Plastik. Seine Madonnen und allegorischen 
Figuren haben keine Spur von den Merkmalen der gotischen Plastik, 
wie sie uns die französische und deutsche Kunst zeigt: die Antike 
und das Studium nach dem Nackten, worauf diese unfehlbar hinleitet, 
bilden von jetzt ab die Grundzüge der italienischen Plastik. Und in 
den Schutz der letzteren stellt sich die Silberschmiedekunst. Wie be- 
reits im vorigen Abschnitt angedeutet wurde, besteht seit dem Mittel- 
alter in Italien die engste Beziehung zwischen den Werkstätten der 
Silberschmiede und der übrigen Künstler, namentlich der Bildhauer. 
Nicht wenige der letzteren haben ihre künstlerische Laufbahn als 
Söhne oder Lehrlinge von berühmten Goldarbeitern begonnen; viele 
der berühmtesten Maler und Bildhauer haben nicht aufgehört, für die 
letzteren Entwürfe und Modelle zu machen. Welchen Grad von 
Vertrautheit die Miniaturmaler des 15. Jahrhunderts mit den Arbeiten 
der Bijouterie bekundeten, wurde bereits oben berührt. 
So sind es denn auch vor allem Werke der Kleinplastik in Silber, 
Welche im späten Mittelalter und im Beginn der Renaissance die 
Marksteine auf dem Entwickelungsgange der italienischen Goldschmiede- 
kunst bilden. Mochte die äufsere Fassung, die architektonische Um- 
rahmung dieser Altarvor- und Aufsätze auch noch bis ins I5. Jahr- 
hundert die Formen der Gotik beibehalten, so war die Hauptsache, 
der figürliche Inhalt, schon. längst vom Geist der Renaissance durch- 
strömt. 
Vor allem ist es Toskana, wo wir die Blüte dieser Kleinplastik 
in Silber zu suchen haben: die mächtigen Republiken wetteiferten 
in dem Bestreben, in stolzen Kirchenbauten und deren Aus- 
stattung mit silbernen Altarwerken ihren Reichtum zur Schau zu 
tragen. In Siena gab der Wahrscheinlich nach Giovanni Pisanos Plan 
neuerbaute Marmordorn einer Menge von Künstlern Beschäftigung; 
das Altarwerk in Pistoja, an welchem fast ein Jahrhimdert arbeitete, 
wurde oben schon erwähnt; Florenz hatte ein gleiches Werk, eben- 
falls heute noch vorhanden, für die Taufkirche des heil. Johannes 
begonnen. Wir führen nach Labarte einige der Hauptkünstler dieser 
Werke an. 
Die Archive von Pistoja nennen uns sechs Namen von Silber- 
schmieden aus Siena, die für den Dom ihrer Vaterstadt beschäftigt 
waren. Der bedeutendste scheint Puccio gewesen zu sein, der 1316 
die Statuen der Madonna und der Apostel bildete. An dem mehr- 
erwähnten Altaraufsatz für Pistoja arbeitete im gleichen Jahre Andrea
        

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