Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Gold und Silber
Person:
Luthmer, Ferdinand
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1658998
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1659305
und 
Gewinnung 
Edelmetalls. 
des 
Verarbeitung 
keiten des F ormens und Giefsens steigeni sich, wenn das Modell 
zahlreiche "Unterschneidungen" oder ganz frei abstehende Teile, 
Arme, Gewandzipfel u. dergl. hat. In letzterem Falle werden diese 
Teile häufig vom Modell abgeschnitten, einzeln gegossen und später 
wieder an das Gussstück angesetzt. Um diese Arbeit, zu welcher 
ein gröfseres Kunstverständnis gehört, als die damit beauftragten Ar- 
beiter meist besitzen, zu vermeiden, wandte man früher und auch 
Wieder in neuester Zeit den Guss „Init verlorener Form" (a cera per- 
duta, a cire perdue) an, der bei den Chinesen und Japanern fast 
ausschliefslich in Übung ist und die unglaublichen Leistungen dieser 
Völker im Bronzeguss erklärlicher macht. Bei diesem Verfahren 
wird das Modell in Wachs hergestellt, mit einem besonders hergerich- 
teten Formsand urnmantelt, dann einem starken Feuer ausgesetzt, 
Welches das Wachs schmilzt und von der Form aufsaugen lässt. In 
die hierdurch leer gewordene Höhlung, welche genau die Form des 
früher in ihr befindlichen Wachsmodelles hat, wird nun unter Be- 
obachtung aller beim Guss überhaupt nötigen Vorsichtsmafsregeln das 
flüssige Metall gegossen. Diesem Verfahren verwandt ist das Ab- 
giefsen von kleinen Vegetabilien, Insekten, Eidechsen u. dergl. Natur- 
Produkten, welches vornehmlich von den Nürnberger und Augsburger 
Goldschmieden des 16. ]ahrhunderts mit Meisterschaft geübt wurde. 
Die genannten kleinen Naturalien wurden durch Eintauchen mit einem 
Thonbrei ummantelt, in starkem Feuer verglüht, alsdann die Rück- 
stände des verkohlten Originals durch Ausschwenken mit Quecksilber 
entfernt und die Hohlform mit Silber ausgegossen. Der galvano- 
plastische Guss, eigentlich die Ablagerung des Metalls in Hohlfornien, 
interessiert uns hier weniger, weil er eine durchaus moderne Er- 
findung ist, bei der die eigentümlich geperlte Oberliache des Metalls 
an seiner Rückseite nicht selten sogar moderne Fälschungen verrät, 
Die Hohlform wird hierbei aus einem dem Wasser widerstehenden 
Körper gebildet, bei kleineren Gegenständen aus Wachs oder Stearin, 
bei fabrikmäfsigem Betrieb fast ausschließlich aus Guttapercha. Dies 
wird in erweichtem Zustande unter starkem Druck auf das Original 
gepresst, welches hierbei natürlich nicht stark unterschnitten sein darf. 
Das Innere der Form, auf welcher sich das Metall ablagern soll, wird 
durch Einreiben mit gepulvertem Graphit metallisch leitend gemacht, 
hierauf mit der Anode einer elektrischen Batterie in metallische Ver- 
bindung gebracht, und in die Auflösung des Metalloxydes, welche 
mit der Kathode in Verbindung steht, frei aufgehängt. Je nach der 
Stärke des Stroms und der Temperatur der Lösung findet die Ab- 
lagßrung schnell oder langsam statt, was auf die Sprödigkeit oder 
Weichheit der abgelagerten Metalle von bestimmendem Einfluss ist. 
Wenn man die Technik des Schmelzens und Giefsens auch wohl 
ihrer Natur nach als die ursprünglichste Bearbeitungsweise der Metalle 
anzusehen hat, schon weil sie dazu dient, dem Rohmaterial eine für
        

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