Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Gold und Silber
Person:
Luthmer, Ferdinand
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1658998
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1660813
156 
Abschnitt. 
Die 
Werke 
Goldschmiedekxu 
sein. Um diesen Keni pflegt die Gotik und die spätere Zeit nun ganze 
Kirchenfassaden in durchbrochener Architektur zu gestalten, (Fig. 78) 
häufig mit reichem Figurenschmuck und nicht selten so schwer, dass 
der zelebrierende Priester nur mit Anstrengung im Stande ist, die vor- 
geschriebenen Bewegungen mit diesem Gerät vorzunehmen. Die sehr 
beliebte Anbringung kleinerer Reliquien in der Monstranz macht oft 
die Anordnung von zwei Knäufen übereinander notwendig, von 
welchen der die Reliquien enthaltende vollständig als kleine Kirche 
gestaltet wird. Beiläuüg sei hier noch erwähnt, dass es sehr ge- 
bräuchlich war, Geschmeide bei gewissen Anlässen der Kirche zu 
opfern, mit der Bestimmung, dass dasselbe an der Monstranz aufge- 
hängt werde. So sind beispielsweise die Monstranzen der Stiftskirchen 
in Ueberlingen und in Freiburg ifB. ganz behängt mit dem köst- 
lichsten, wohlerhaltenen Renaissance-Geschmeide. Aufser den oben 
erwähnten Arten der Reliquienfassung wären deren noch zahlreiche 
namhaft zu machen, aus welchen jedoch nur die im Mittelalter als 
"hermae" bezeichneten sogen. Kopfreliquiare hervorgehoben seien. Sie 
dienen zur Aufnahme von Schädelteilen und stellen gewöhnlich die Büste 
des Heiligen dar. Eins der bekanntesten ist das aus dem Igjahrhundert 
stammende Haupt mit der Hirnschale Karls des Grofsen in Aachen. 
Zwei besonders schöne Beispiele aus der Spätgotik besitzt die Stifts- 
kirche zu Aschaifenbirrg: die Büsten der heil. St. Peter und St. Alexander, 
von dem Frankfurter Meister Hans Dirmstein 1473 gearbeitet. In 
ähnlicher Weise wurden auch Hände und Füfse gebildet: eins der 
ältesten Beispiele der Fufs mit der Sandale des heil. Andreas, der 
unter Bischof Egbert für Trier angefertigt wurde. (Fig. 65.) 
Eine sehr reiche Ausbildung erfuhren in der romanischen Stil- 
periode die Einbände der Evangeliarien. Die noch wenig geübte 
Kunst des Schreibens mochte diese Teile der Kirchenausstattung 
wertvoller erscheinen lassen: sicher ist, dass die Pracht der äufsern 
Ausstattung mit der mehr handwerksmälsigeir Anfertigung von Büchern 
im I 3. und I4.]ahrhundert merkbar abnimmt. Über die kunstgeschicht- 
lich bedeutendsten Bände hat der Verfasser in der "Geschichte der 
technischen Künstewk), Abtlg. Bucheinband, ein ziemlich umfassendes 
Verzeichnis zusammengestellt, auf welches hier hinzuweisen erlaubt 
sei. Den ältesten dieser Einbände  und es existieren solche aus 
dem 5. jahrhundert  fehlt fast nie in der Mitte der Decke eine 
Elfenbeintafel, anfangs noch heidnische Konsular-Diptycha, später 
speziell für diese Verwendung mit christlichen Beziehungen geschnitten. 
Der übrige Teil des Holzdeckels pflegt mit Silberblech bekleidet zu 
sein, welches mit Filigran, getriebener Arbeit, Emailplatten, geschliffenen 
Steinen, manchmal auch wohl antiken Gemmen dekoriert ist. Sehr 
beliebt ist dabei die Hervorhebung der Ecken: hier finden meist die 
Geschichte 
Künste von Bruno Bucher, 
der technischen 
Stuttgart, 
Spemanxx.
        

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