Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Gold und Silber
Person:
Luthmer, Ferdinand
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1658998
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1660719
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Abschnitt. 
der Goldschmiedekunst. 
Werke 
Die 
Als bedeutendste Silberarbeit galt jedoch die Bekleidung des Atlars 
in der Kathedrale von Gerona mit getriebenen Silberplatten. Der 
Meister derselben war Pedro Bernec. Den gröfsten Namen unter 
den spanischen Silberschmieden hat der noch in die gothische Periode 
zurückreichende Enrique de Arfe, ein Künstler deutscher Abstammung, 
der in seinen Söhnen und Enkeln der Renaissancezeit" hochgeachtete 
Meister unserer Kunst hinterlassen sollte. Leider sind auch von den 
spanischen Arbeiten dieser Zeit nur noch verschwindende Reste in 
Kirchen und Klöstern erhalten: am meisten haben die Napoleonischen 
Kriege im Anfang und die bürgerlichen Unruhen im Laufe dieses 
Iahrhunderts aufgeräumt. 
Anders als in den übrigen Ländem haben wir in Italien die 
Entwickelung der Goldschmiedekunst in der gothischcn Periode an- 
zusehen. Allerdings schliefsen sich die Kunstgenossen auch hier im 
vierzehnten jahrhundert zu Innungen zusammen, die z. B. in Siena 
1361 bestätigt werden, während diejenige von Florenz, schon 133,8 
begründet, ihren Mitgliedern den noch heute behaupteten Platz auf 
dem Ponte vecchio anweist. Allein mehr als in irgend einem andern 
Land sehen wir in Italien die Verbindung zwischen der Bearbeitung 
des Edelmetalls und der hohen Kunst lebendig erhalten, die uns in 
der Zeit der Renaissance die bereits oben erwähnte beachtenswerte 
Erscheinung vermittelt, dass die gröfsten Bildhauer, Maler und 
Architekten aus der Werkstatt des Goldschmiedes hervorgehen. So 
sind es in der Periode der Gothik die beiden grofsen Meister der 
Bildhauerkunst von Pisa, Andrea und Giovanni Pisano, deren Werke 
von unmittelbarem Einfluss auf die toskanischen Silberschmiede 
werden konnten. Merkwürdigerweise sind auch die Reste italienischer 
Silberschmiedearbeit aus jener Periode, die uns heute noch vorliegen, 
weit mehr der Kleinplastik als dem eigentlichen Kunsthandwerk zu- 
zuschreiben; so vor allem das Hauptwerk dieser Periode, der silberne 
Altar in Pistoja, an welchem verschiedene Künstler fast ein Jahrhundert 
von 1316-1409 gearbeitet haben, und der silberne Altaraufsatz im 
Baptisterium zu Florenz. So nimmt denn auch die Geschichte der 
Goldschmiedektinst in der italienischen Gothik bereits denjenigen 
Charakter an, den sie anderwärts erst in der neueren Periode erhält: 
aus einer Geschichte der einzelnen Werke wird sie zu einer Geschichte 
der Künstler, deren Persönlichkeit uns von Vasari in seinen be- 
kannten Künstler-Biographien mit vielen Details gezeichnet wird. 
Aus diesem Grunde erscheint es auch gerechtfertigt, eine kurze Über- 
sicht dieser Künstler, die, soweit sie Figuristen sind, schon der F rüh- 
' renaissance angehören, wenn sie in ihrem Ornament auch noch 
gothische Formen beibehalten, erst im folgenden Abschnitt zu geben. 
Dafür sei jetzt der Entwickelungsgang, den die Formen der wichtigsten 
Kirchengeräte in der Periode der mittelalterlichen Kunst durchmachen, 
kurz darzulegen versucht.
        

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