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Abschnitt.
Die
Goldschm icdckuust.
der
Werke
Lüneburg, welches 1874 in den Besitz des Kunstgewerbemuseums zu
Berlin überging. Eniden, Leipzig, Bautzen haben noch stattliche Be-
stände gerettet. (Fig. 69.) Der grofse Stadtschatz von Nürnberg, über
dessen erstaunlichen Reichtum der „Silberzettel von 1613" Auskunft
gibt, erhielt sich bis 181g und wurde erst beim Übergang der Stadt
an die Krone Bayem eingeschmolzen oder veräufsert.
Der hauptsächlichste Auftraggeber der Gold-
schmiede blieb aber in der gothischen Periode
immer noch die Kirche. Man muss sich er-
w: innern, dass gerade in dieser Zeit die Einfüh-
Tüf rung der Reliquien aus den heiligen Städten des
Morgenlandes eine kolossale, für unsere Zeit
ganz unglaubliche Höhe erreichte. Veran-
lassung dazu waren die Kreuzzüge und im
gnschäussLdaäanh die ungeärdnete Wirtschaft
f, er as an es errn im rient eingesetzten
abendländischen Ritter. S0 hatte u. a. der
(iandrische Graf Balduin, zum byzantinischen
Kaiser eingesetzt, sich durch Schulden genötigt
gesehen, eine Unzahl der kostbarsten Re-
liquien bei der Republik Venedig zu versetzen.
Von dieser kaufte sie Ludwig IX. von Frank-
reich (1226-1270) und verteilte sie an die
Kirchen seines Landes. Als dieser König darauf
1279 kanonisiert worden war, gab die Verteilung
seines wunderthätigen Leichnams wieder Anlass
zur Anfertigung der kostbarsten Reliquien. Wie
"XV grofs die Menge solcher Partikeln von Reliquien
bei einzelnen, nicht einmal besonders berühmten
i i Heiligtümem zu sein püegte, beweist das erwähnte
tjtfz Inventar der Allerheiligenkirche zu Wittenberg,
ävlßieß; das nicht weniger als 5005 solcher Partikeln
aufzählt.
Was daneben den Luxus profaner Edelmetall-
arbeiten betrifft, so sind wir speziell über Frank-
äfzihefg'aug'äiäheialgr?ffl' reich vom dreizehnten bis sechzehnten Jahrhun-
Sl er
von Lüneburg im Kunst- dert durch die sorgfältig geführten Inventare
gewe'hem"se"m' Berhm des königlichen Hauses und der höchsten Adels-
geschlechter einigermaßen unterrichtet. Wie
dies bereits früher erwähnt wurde, waren die innern Kämpfe, welchen
Frankreich in dieser Zeit unterworfen war, dem Gold- und Silber-
luxus eher förderlich als nachteilig, weil die "fahrende Habe" eine
sichere Kapitalanlage schien und leichter zu bergen war als Grund-
und Landbesitz, dessen der Unterliegende verlustig ging. Von diesem
allgemeinen Luxus von Silbergerät gibt es uns beispielsweise eine