Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Gold und Silber
Person:
Luthmer, Ferdinand
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1658998
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1660583
Gefäifse, 
etc. 
Geräte 
a. Altertum 
Mittelalter. 
frühes 
133 
nauigkeit in Zahlen-, Gewichts- und Wertangaben nichts zu wünschen 
lassen. Als charakteristisch können wir bei diesen Erben der Welt- 
herrschaftein Erstarren der Goldschmiedekunst annehmen, wie wir 
es auch in der Bildnerkunst und Malerei finden: kein Hauch von dem 
Leben und der Anmut der griechischen Antike belebt mehr diese 
versteinerten Gewandfiguren, die bald in der Hofetikette zu stereotypen 
Gestalten werden. Ein zweiter Zug ist eine glänzende Farbenlust, 
Welche das Goldschmiedewerk mit Email, Steinschmuck und Niello 
bereichert, um ihm in den mit gleicher Farbigkeit ausgestatteten 
Kirchen den nötigen Effekt zu sichern. Denn wesentlich die Kirche 
ist es, welche der Goldschmiedekunst jetzt ihre höchsten Aufgaben 
stellt. Seit Konstantin dem Grofsen wird es ein Gegenstand besonderer 
kaiserlicher Leidenschaft, die Kirche mit Edelmetallgerät auszustatten, 
wobei das Gold und Silber nach Zentnern gewogen wird. Aber seine 
Geschenke an die von ihm erbaute Hauptkirche "der göttlichen Weis- 
heit" werden noch überboten durch Iustinian. Als dieser Kaiser im 
6. Jahrhundert die abgebrannte Hagia Sofia in erhöhter Pracht wieder 
aufbauen lässt, übertrifft er den ersten Stifter auch durch die Häufung 
von Gold und Silber in derselben; so. erbaut er ein Tabernakel über 
dem Altar und eine Patriarchenkathedra aus massivem Silber. Die 
Verwendung dieses Materials zu Architekturteilen, speziell zu Säulen- 
kapitälen, Thürliügeln etc. wird überhaupt in dieser Zeit üblich. 
Daneben hatte die byzantinische Goldschmiedekunst von altersher das 
Bekleidungsprinzip geübt: eine Art Blechstil, der sich aus dem Über- 
ziehen von Holztafeln mit Gold- und Silberblech ergab, welches 
getrieben und mit Email und Steinen geschmückt wurde. Dieser 
Stil übertrug sich auch auf die italienische Kunst: eines seiner Haupt- 
werke ist die „Pala d'Oro", das zu einem Altaraufsatz verarbeitete 
Altar-Antipendium iin Schatze von S. Marco in Venedig, welches 976 
durch den Dogen Pietro Montorsoli in Byzanz bestellt wurde. Schon 
vorher, 825, war durch einen einheimisch longobardischen Künstler 
Wolfvinus auf Bestellung des Bischofs Angilbert II. von Mailand 
ein Altar für Sant' Ambrogio in dieser Bekleidungstechnik mit Email 
angefertigt worden, der 80000 Goldgulden gekostet hatte. 
Dieser Inkrustationsstil fand nun eine rasche Verbreitung auch 
nach den nordischen Ländern. Hier ist es speziell das Frankenreich 
unter den Merovingischen Königen, welches zuerst die Goldschmiede- 
kunst für kirchliche und Hof-Zwecke in Anspruch nimmt. Die ältesten 
uns hier namhaft gemachten Meister, Mabuinus und Abbo, sind nur 
die Vorläufer des bekannteren Elogius, der später heilig gesprochen 
als Patron der Goldschmiede gilt und dessen in legendarer Form 
überlieferte Lebensbeschreibung uns Kunde von sehr bedeutenden 
Ausführungen in Silber und Gold gibt. Wenn von seinen Werken 
sich auch kaum etwas mit Sicherheit aufweisen lässt, da der ihm zu- 
geschriebene "Stuhl Dagoberts" im Louvre vielfach bestritten wird,
        

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