Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Gold und Silber
Person:
Luthmer, Ferdinand
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1658998
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1660535
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Abschn 
Werke 
Die 
"(ler Goldschmiedekunst. 
auffällt. Er ist auf seiner ganzen Aufsenfläche mit einem zarten 
Rankenwerk, dem Ornament antiker Wandmalereien und Stuckdeko- 
rationen ähnlich, in getriebener Arbeit verziert, das wenigstens auf einer 
Seite noch gut erhalten ist. Es nimmt seinen Ausgang von zwei 
Greifen, die mit abgewandten Köpfen einander gegenüber sitzen; im 
Rankenwerk tummeln sich kleine Kindergestalten in hohem Relief be- 
handelt, diemit verschiedenem Seegetier, Krebsen, Fischen etc., zu 
schaffen haben. In diesen Tieren zeigt sich eine treue Naturbeobach- 
tung, ebenso wie in den dünnen Ranken und den Blumen, von denen 
keine der andern gleich ist, sich eine reiche Phantasie ausspricht. 
Die Minervaschale ist die gröfste von vier hochrandigen 
Schalen, deren Boden mit so hoch getriebenen Relieffiguren bedeckt 
ist, dass man kaum an Gebrauchsgerät denken kann, sondern diese 
Stücke als Zierschalen auffassen muss. Eine der schönsten Gewand- 
tiguren der uns bekannten antiken Kunst, sitzt die Minerva mit der 
linken Hand auf den Rundschild gestützt, mit der rechten eine Pflug- 
schar oder ein Steuerruder haltend auf einem Felsstück, den Kopf in 
freier, überaus graziöser Bewegung nach links gewendet. Der auf- 
gebogene Rand der Schale ist im Äufsern mit Schilfblättern, im Innern 
mit einem mit griechischer Feinheit in schwächstem Relief getriebenen 
Palmettenfries geschmückt. Zwei Hache, unten mit einem Ring versehene 
Henkel stehen horizontal vom oberen Ende ab. Besondere Er- 
wähnung verdient der Helm der Minerva, der mit drei Rossschweifen 
auf drei einzeln stehenden Kämmen geziert ist. Die Reliefbilder der 
drei anderen Schalen stehen nicht auf gleicher Höhe mit der Minerva 
oder verraten wenigstens eine andere, ungleich derbere Hand. Zwei 
davon sind augenscheinlich Pendants; die eine enthält den nach links 
blickenden männlichen Mondgott, eine Gottheit, die nur in Phrygien 
verehrt wurde. Hinter seinem langgelockten, mit der phrygischen 
Mütze bedeckten Haupt zeigt sich die Mondsichel. In der zweiten 
Schale ist der nach rechts blickende Kopf der Kybele mit der 
Mauerkrone charakterisiert; hinter ihrer linken Schulter erscheint das 
bei ihrem Dienst verwendete Tamburin, das Tympanon. Die vierte 
Schale endlich enthält den Oberkörper des jugendlichen Herkules, der 
mit lächelndem Gesichtsausdruck in jeder Hand eine der ihm von 
Hera gesandten Schlangen erwürgt  eine Darstellung von etwas 
derber Ausführung, aber von naiv-humoristischer Auffassung. Ein 
hübscher Ornamentfries, mit verschiedenem Getier belebt, umzieht die 
Lippe der Schale im Innern. 
Unter den kleinen Gefäfsen zeichnen sich namentlich einige Becher 
oder Tassen durch ihre klassische Profilierung aus; einer derselben, 
dessen geschweifte Henkel aus Epheuranken gebildet sind, ist mit 
bärtigen Masken und Weinlaub geziert (Fig. 56); ein zweiter, dessen 
Henkel horizontal weit abstehen und dessen nach unten scharf verengte 
Kuppa auf einem sehr zierlichen Fufse steht, trägt Zweige des
        

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