Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Gold und Silber
Person:
Luthmer, Ferdinand
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1658998
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1660471
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Abschnitt. 
Die 
Werke der 
Goldschmiedekunst. 
siegreichen Kämpfen sehr bald die Zeit folgt, welche die höchste 
Blüte griechischer Kunst erstehen sieht; und sicher haben wir auch 
in dieser Zeit den Einfluss der asiatischen Bekleidung eines Holzkerns 
mit Edelmetall in den allerorts entstehenden "chryselefantinen" Götter- 
bildern zu erkennen. Mit diesen Ausführungen, bei welchen über 
einem skulpierten Holzkern die Fleischteile mit Elfenbeinplatten, alles 
andere mit Gold belegtwar, dem durch Email und eingesetzte Edel- 
steine besonderer Schmuck hinzugefügt wurde, tritt die Goldschmiede- 
kunst in das Gebiet der Bildnerei ein. Es muss dabei unentschieden 
bleiben, 0b die grofsen Bildhauer, ein Phidias und Polyklet, an deren 
Namen sich die Nachrichten von den chryselefantinen Werken in 
Athen, in Olympia, Elis und anderwärts knüpfen, nur die Modelle zu 
diesen teilweise kolossalen Statuen schufen und die Ausführung in 
Holz, Elfenbein und Gold besondern Spezialtechnikern überliefsen, 
oder 0b wir sie uns selbst mit dem Ziseliereisen und am Emailier- 
ofen zu denken haben. Von der Pracht und der Menge dieser 
Statuen weifs noch Pausanias in seinem Reisewerk im 2.]ahrhundert 
n. Chr. zu erzählen, der sowohl von der Pallasstatue im Parthenon 
der athenischen Akropolis, wie von dem ]upiter zu Olympia eine 
eingehende Beschreibung giebt. Das vierte Iahrhundert unserer Zeit- 
rechnung scheint jedoch keins dieser kostbaren Werke überdauert 
zu haben. 
Wenn also von den Gefäfs- und Bildnerarbeiten der griechischen 
Edelschmiede aufser einer herrlichen, bei Jekatherinoslaw gefundenen 
Vase mit Darstellungen vom Einfangen und Zähmen wilder Pferde 
(Eremitage-Mus) uns keine Reste erhalten sind, so macht uns Plinius 
und andere Schriftsteller doch mit einer Reihe von Namen solcher 
bekannt, die noch zur römischen Kaiserzeit etwa ebenso gefeiert 
wurden, wie heute bei uns ein Cellini und ]amnitzer. Mentor, wahr- 
scheinlich unter den unmittelbaren Nachfolgern des Phidias, wird von 
Martial erwähnt: vier Paar grofse Silbervasen aus seiner Werkstatt 
gingen beim Brand des Tempels zu Ephesus 3 56 unter; er und sein 
Bnider werden als „toreutores und caelatores" bezeichnet. Akragas 
war Zeitgenosse von Skopas und Praxiteles, Mys mit Mentor gleich- 
zeitig, Stratonikos aus Athen lebte im 3. ]ahrhundert. Aus Cyzikos 
war Tauriskos; Antipater wird von Plinius als der Verfertiger eines 
berühmten Gefäfses mit einem schlafenden Satyr erwähnt. Die beiden 
Mytilenaeer Eunichus und Hekataeus sind Zeitgenossen des Pompejus. 
Aus gleicher Zeit stammt Zopyrus, der Verfertiger zweier berühmter 
Becher mit der Geschichte des Orestes. Pytheas, der eine Generation 
später lebte, war berühmt wegen eines Mischkessels, auf welchem 
Odysseus und Diomedes dargestellt waren, wie sie das Pallasbild 
entführen. Die Becher desselben Künstlers, auf welchen Szenen aus 
dem häuslichen Leben ziseliert waren, schildert Plinius als so überaus 
delikat gearbeitet, dass sich zu seiner Zeit kein Silberarbeiter fand,
        

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