Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Gold und Silber
Person:
Luthmer, Ferdinand
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1658998
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1660427
Das 
Geschmeide. 
Renaissance 
Spätzeit; 
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äuf kleinen, weifsen Emailscheiben anzubringen. Auch die aus Gold 
geschnittenen Zeiger bekunden oft grofse Kunst im winzigsten Raume. 
Der Hauptgegenstand des Schmuckes ist aber immer die äufsere 
Schale der Uhr; man kann behaupten, dass es keine Technik der 
Goldschmiedekunst giebt, die auf den Uhrdeckeln nicht ihre schönsten 
Proben abgelegt hätte, namentlich seit mit der Regierungszeit Lud- 
Wigs XVI. die Bijouterie einen ganz neuen Aufschwung, eine Art 
neuer Renaissance erlebte. Die Emaillierkunst feierte mit dem ge- 
malten „en pleine-Email", mit durchsichtigen Schmelzauflagen auf ge- 
Inustertem Grunde ihre gröfsten Triumphe; sie verband sich mit der 
Edelstein- und Perlenfassung, mit dem Edelsteinschnitt und der ge- 
triebenen Arbeit zu Effekten, die um so überraschender sind, als sie 
im kleinsten Raum, auf einer Scheibe von 3 bis 4 cm Durchmesser, 
dargestellt werden müssen. 
Einer gleichen Ausbildung wie die Uhr erfreute sich auch das 
SChmuckstück, vermittelst dessen sie am Gürtel, von den Männern im 
Inneni der Weste angehängt wurde, die "Chätelaine". Bis Ende des 
17. Jahrhunderts hatte man die Uhr einfach mit dem Arbeitsetui, 
dem Schlüsselhalter u. s. W. zusammen an den Gürtel gehängt. Von 
Anfang des 18. Jahrhunderts erscheint das selbständige Schmuckstück, 
das im wesentlichen aus einem starken, den Haken tragenden Schild 
besteht, von dem eine breite aber kurze Kette herabgeht, welche an 
einem zweiten Schild die Uhr trägt. Daneben sind meist noch zwei 
und mehr Kettchen angebracht zur Aufnahme des Uhrschlüssels und 
deS Petschafts; sehr bald artet die Sitte dieser kleinen Anhänger 
Zum "Charivari" aus, an dem allerlei kleine Berloques, Amulette, 
Denkmünzen, Antiquitäten, Jagdtrophäeil u. s. w. getragen werden. 
Auf den beiden erwähnten Schildchen entwickelt sich nun wieder die 
ganze Kunst des Bijoutiers, wie wir sie vorher charakterisiert haben; 
manchmal findet sie auch an den festen Gliedern der Kette oder an 
den Berloques selbst Gelegenheit, sich zu bethätigen, Von letzteren 
ist es namentlich das Petschaft, das in den Kreis künstlerischer Ge- 
Staltung gezogen wird. Seit der Zeit Heinrichs IV. etwa hatte sich 
das Petschaft vom Ring getrennt und war als besonderes Stück am 
Gürtel getragen worden. Am Charivari erfährt es eine neue Aus- 
bildung, die namentlich in der Durchbildung des kurzen, Hachen Griffs 
besteht. 
Als letztes Stück der Beiwerke der Toilette, welche in das Be- 
Teich des Geschmeides gehören, sei endlich die Tabatiere und Bon- 
bonniere genannt, zu welcher auch das Notizbuch, Taschenetui u. s. w. 
tritt. Wenn man die kaum ein Jahrhundert (I6go-- 1790) um- 
fassenden Arbeiten dieser Art in einer grofsen Sammlung, wie daS 
Rothschildmuseum, durchmustert, so wird ohne weiteres klar, dass 
dieselbe ihre eigene Geschichtschreibung verdiene. Was man bei 
einer flüchtigen Erwähnung nur aussprechen kann, ist, dass die Gold-
        

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