Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Gold und Silber
Person:
Luthmer, Ferdinand
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1658998
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1660219
Abschnitt. 
Die 
Goldschmiedekunst. 
der 
Werke 
noch ein kleiner Teil besteht, ein schwer zu lüftendes Dunkel. Auch be- 
standen zu jener Zeit nicht wenige Gesellschaften und Verbindungen, 
zum Teil vielleicht zu humanitären Zwecken gegründet die ebenfalls 
in Ketten und Anhängern ihre Abzeichen hatten. S0 finden wir im 
Grünen Gewölbe eine Kette des "Ordens der brüderlichen Liebe und 
Freundschaft" 1592, einen andern mit einem Anhänger, von 1589 
datiert, der in Email die Gestalten der Virtus und Perseverantia ent- 
hält nebst der Devise {Virtutis amore". Als fürstliche Gnaden- 
geschenke haben wir sicher die sehr grofse Gruppe von Anhängern 
aufzufassen, die nur aus einem Buchstaben oder Monogramm bestehen 
oder solches statt anderer Insignien in einem ornamentalen Rahmen 
tragen. Auch hierfür finden wir das prächtigste uns bekannte Bei- 
spiel im Rothschild-Museum: ein AM unter einer Krone, ganz aus 
Diamanten gebildet, die Rückseite weifs emailliert mit Goldornament. 
Zu unterscheiden von diesen fürstlichen Namenszügen sind die mit 
religiöser Beziehung angewandten, vor allem die Monogramme von 
Christus und Maria. 
Von den bisher betrachteten Brustgehängen sind die Hut- oder 
Barettanhänger in ihrer Form fast gar nicht, meist nur durch 
ihre geringere Gröfse unterschieden. Diese Schmuckstücke, die eigent- 
lichen "enseignes", haben häufig den Amuletcharakter oder wenigstens 
irgend eine religiöse Beziehung: so trägt Philipp der Gute von Bur- 
gund eine "enseigne" von einem Goldschmied in Boulogne „fait ä la 
reverence de Notre-Dame de Boulogne". Von Ludwig XI. wird als 
Beweis seiner Sparsamkeit in Geschmeide erzählt, dass er an seinem 
Hut einen Anhänger von Blei getragen habe, während er die Bijouterien 
seines Schatzes der Kirche verehrte. Nach Laborde (Glossaire) wäre 
die "enseigne" ursprünglich ein Livreeabzeichen, das um die Mitte des 
I 5. Jahrhunderts als Schmuckstück in Mode kommt, während daneben 
fortwährend die religiösen „Hutbatzen" getragen werden, die nament- 
lich an den Wallfahrtsorten in Masse zum Verkauf kommen. Auf 
die erstere Bedeutung weist die "enseigne", welche schon während des 
späteren Mittelalters die Juden an ihren Hüten zu tragen gezwungen 
waren. Sehr kostbare Hutanhänger enthält das Louvre-Museum  
von noch zahlreicheren Kostbarkeiten sprechen die Inventare der 
französischen Könige, namentlich Heinrichs IL, während eine Notiz, 
die wir bei Bernard Palissy (Art de la terre) finden, wonach die 
Emailmaler von Limoges der Konkurrenz halber die von ihnen ge- 
malten Hutbatzen für „trois sols la douzaine" geben müssten, uns 
auch mit einem billigeren Genre bekannt macht. Einfachere Formen 
finden sich auch auf deutschen Gemälden. Mit den kleinen Baretten, 
die unter Heinrich III. aufkamen, verschwindet die "enseigne" aus 
der Hoftracht; an ihre Stelle tritt die Diamantagraffe für den Feder- 
stutz, von welcher wir später zu sprechen haben werden. 
Derselbe Grund, der das Ohrgehänge aus dem Geschmeide
        

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