Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Gold und Silber
Person:
Luthmer, Ferdinand
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1658998
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1660173
Abschnitt. 
Die Werke 
Goldschmiedekm 
das Bedürfnis, die figürlichen Vorgänge auf den Anhängern in einen 
architektonischen Rahmen einzuschliefsen. Dass das ganze Bijou einen 
solchen bildet, wie bei einer Kamee des Louvre, (s. Fig. 36, 5) dürfte zu 
den gröfsten Seltenheiten gehören. Aber auch dass eine "Caritas", eine 
"Verkündigung" in eine architektonische Nische versetzt wird, ist ein 
Ausnahmefall; das architektonische Gerüst beschränkt sich nicht selten 
auf einen horizontalen Balken, welcher durch eine Reihe verschieden- 
farbiger Tafelsteine gebildet wird, und zwei ebenso gebildete Obelisken, 
die rechts und links den Abschluss bilden. Nur bei den kleinsten 
Beispielen von Anhängern finden wir die Komposition Hach in einer 
Ebene liegend; meist besitzt sie ein nicht unbedeutendes Relief. 
Technisch gesprochen besteht ein derartiges Stück aus zwei, drei, auch 
vier Lagen ornamental durchbrochenen starken Goldblechs, so kom- 
poniert, dass durch die Öffnungen des oberen die korrespondierenden 
Partieen der unteren Lage hindurchgesehen werden. Diese manchmal 
konvex gebogenen Schilder sind mit Nieten, die oft 1 cm lang sind, 
aufeinander befestigt; die meist in sehr hohen Kasten sitzenden Steine 
und die emaillierten Freifigürchen der obersten Lage vergröfsern noch 
die Höhe der ganzen Komposition, die bei den gröfsten Beispielen 
bis zu 4 cm steigt. Im allgemeinen sind übrigens diese Geschmeide 
eher von kleinerem Mafsstabe; das gröfste uns bekannte Stück be- 
findet sich in dem Rothschild-Museum zu Frankfurt und misst 
I 31h cm Länge auf 8 cm Breite. Beachtenswert ist, dass bei den 
Anhängern des I6. Jahrhunderts (ausnahmsweise auch bei solchen 
des I7.) die Rückseite künstlerisch durchgeführt zu sein piiegt. Die 
Rückiiäche der untersten Lage ist geglättet, mit hübschem Ornament 
graviert und dies mit Email oft in reicher transluzider Farbenwirkung 
ausgefüllt. (Fig. 36, 4.) 
Auch an den Schauseiten, besonders an den figürlichen Dar- 
Stellungen dieser Anhänger zeigt sich die Emaillierkunst auf ihrer 
Höhe. Wenn die Schmelzfarben auch alle Teile in wunderbarer 
Farbenhannonie überziehen, so wissen die Künstler dieser Zeit mit 
aufserordentlichem Takt kleine Partien in Gold, manchmal das Haar 
der Figuren, die Mähne von Pferden, einen Gewandsaum, eine Waffe 
stehen zu lassen, die als blitzende Pünktchen zur Harmonie des 
Ganzen beitragen. Auch die verschiedene Anwendung der durch- 
scheinenden und der opaken Emaille, sowie der halbopaken weifsen 
auf Rotgold für die Fleischteile (neben welcher auch häuüg letztere 
ganz weifs vorkommen), findet man mit erstaunlicher Sicherheit ab- 
gewogen. Besonders beliebt ist der Besatz der äufsersten Ranken 
mit winzigen, weifs emaillierten Perlchen. 
Als Gegenstände der figürlichen Darstellung überwiegen, wie be- 
reits oben gesagt wurde, die Szenen der antiken Mythologie: das 
Urteil des Paris ist sehr beliebt, Hercules als Hydratöter, die jagd 
des Meleager (neben häufig vorkommenden sonstigen jagdszenen) und
        

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