Dritter
Abschnitt.
Recht verbleiben es sei hier nur an die eisernen Öfen und an die
in den Baugewerken verwendeten Säulen und Träger erinnert auf
kunstgewerblichem Gebiete wird er stets ein billiger Notbehelf bleiben.
Nachdem der tote Punkt erst überwunden war, hat die
Schmiedetechnik sich unerwartet rasch erholt, weit schneller jeden-
falls, als dies geschehen wäre, wenn der Umschwung um zwei oder
drei Jahrzehnte später eingetreten wäre. So war die alte Tradition
noch sporadisch vorhanden; da und dort war noch ein alter Meister
xthäitig, der als Lehrling eine tüchtige praktische Anleitung gefunden
hatte, und verhältnismäßig rasch war von den aufser Übung ge-
kommenen Praktiken und Kunstgriffen das Erwünschte wieder bei-
geholt. Und heute bereits, in den Tagen, da dieses Handbuch
geschrieben wird, leistet die moderne Schmiedekunst alles Mögliche.
Was früher gemacht wurde, kann heute gemacht werden, wenn es
auch nicht immer gemacht wird, weil die Verallgemeinerung in Bezug
auf Verständnis und Aufträge des Publikums noch nicht denjenigen
Grad erreicht hat, den sie in wenigen Jahren voraussichtlich er-
reichen dürfte.
Wenn wir fragen, ob die moderne Schmiedekunst schon einen
eigenen Stil gefunden hat, so läfst sich diese Frage zweifellos bejahen,
wenn der oberflächliche Schein auch gegen die Antwort sprechen
sollte. Wir stehen zu sehr inmitten unserer Kunstleistungen, als dafs
wir den objektiven, übersichtlichen Blick haben könnten, den eine
ferner liegende Zeit ja stets hat. Betrachten wir einen schmied-
eisernen Gegenstand von heute und einen aus alten Zeiten; wird sie
irgend jemand verwechseln, der nur einigermafsen Kenntnis der Sache
hat? Gewifs nicht, und warum nicht? Erstlich arbeitet die heutige
Technik mit ganz veränderten Hilfsmitteln; die Arbeitsmaschinen haben
das Werkzeug verändert und erweitert; der heute mögliche Bezug von
gewalztem Eisen der mannigfaltigsten Art, von fabrikmäfsig hergestellten
Nieten, Knöpfen, Rosetten u. s. w. gibt dem heutigen Schmiedewerk
ein modernes Gepräge und führt zu anderen Verbindungen und Kon-
struktionen. Zweitens sind die Verwendungsgebiete ebenfalls wesentlich
verändert und zum Teil ganz neue. Betrachten wir beispielsweise
den Beleuchtungsapparat. An Stelle der Öllampen- und Kerzen-
beleuchtung oder wenigstens neben dieselbe sind das Gas und das
elektrische Licht getreten. Die neu eingeführten Lichtquellen erfordern
aber auch wesentlich anders gestaltete Träger u. s. f. Drittens ist
auch die Stilaufassung, die äufsere Formgebung an und für sich schon
eine andere. Man hat die moderne Zeit vielfach stillos geheifsen,
weil sie so ziemlich in allen Stilen arbeitet und in allen möglichen
Stilperioden nach geeigneten Vorbildern sucht. Diese Verquickung der
verschiedenen Stile, die universale Vielseitigkeit, die Anpassung des
Stilgemengsels an die Forderungen unserer Zeit werden eben dem
modernen Stil seine Eigentümlichkeit aufprägen.