Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Schmiedekunst
Person:
Meyer, Franz Sales
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1656576
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1657585
Entwickelung der Kunstschmiedetcchnik. 
Geschichtliche 
äufsem Architektur als in der Innenausstattung, im bild- und bieg- 
samen Material zum Ausdruck, wozu in erster Reihe mit auch das 
Schmiedeisen gehört. 
Die deutsche Schmiedeisenkunst der Renaissance stand völlig 
auf eigenem Boden. Die Folgen des 30 jährigen Krieges brachten 
ES mit sich, dafs den späteren Zeiten, wenn auch nicht die selb- 
ständige Technik, so doch die eigene Geschmacks- und Stilrichtung 
abhanden kam. 
Die Kunst fand ihre Pflege fast nur noch an den fürstlichen 
Höfen und an diesen bürgerte sich mit französischen Sitten und 
Unsitten auch französische Geschmacksrichtung ein; das hatte zur 
Folge, dafs die Kunst auf deutschem Boden vielfach von französischen 
Künstlern ausgeübt wurde. 
Lustig und leicht, tändelnd und ausschweifend, wie der Charakter 
der höfischen Gesellschaft, war auch die Kunst jener Zeit. 
Der strenge architektonisch gegliederte Bau löst sich auf in 
dekoratives Rahmenwerk, in zwangloses Geschnörkel. Der lang- 
Weiligen Symmetrie wird flottweg der Dienst gekündigt. Schranken- 
10S und regellos wird auf dekorative Wirkung gearbeitet. Das 
Schmiedeisenwerk des Rokoko ist ein zierliches Gespinnst, ein 
duftiges Gewebe, das in nichts mehr an die Starrheit des Materials 
erinnert und den Beweis für die ausgesprochene Bildsamkeit desselben 
liefert. Das Gitterwerk des Rokoko läfst nach der. technischen Seite 
hin alles Dagewesene weit hinter sich; über die formale Seite läfst 
sich streiten, doch dazu ist hier nicht der Ort. Routine und Leistungs- 
fähigkeit sind auf dem höchsten Punkte angelangt. 
Das Anwendungsgebiet des Schmiedeisens während des Rokoko 
iSt ziemlich das nämliche wie im Barockstil. Es sind hauptsächlich 
die Gitter und Aushängeschilder, die in Betracht kommen. Die 
Beschläge sind klein und unbedeutend geworden, sie verstecken sich 
llnd werden vorzugsweise aus Bronze und Messing gebildet, wenigstens 
da, wo es sich um reichere Ausstattung handelt. Für Leuchter und 
anderes Gerät wird dieses Material ebenfalls bevorzugt; das Eisen ist 
nicht mehr vornehm genug. Man bedient sich des Proletariers der 
Metalle vielfach wieder nur da, wo es nicht gut anders angeht. 
Die Fenstervergitterungen werden seltener. Die weniger gefähr- 
liChe Zeit hat sie nicht mehr nötig. Dagegen erscheinen die Balkon- 
ulld Balustradengitter, die Treppengeländer um so zahlreicher. Kirchen 
und Paläste werden nach wie vor mit grofsen eisernen Prunkthoren 
geschmückt. Vor allem aber sind es die grofsen Parkanlagen (es sei 
an Versailles, Würzburg und Schwetzingen beiläuüg erinnert), welche 
großartigen Gitteranlagen ein Feld eröffnen. Bezüglich der Wirts- 
und Handwerksschilder, der Innungsabzeichen ist ebenfalls eher eine 
Zu- als Abnahme zu verzeichnen. Auf diesem Gebiet wird das 
SChmiedeisen noch volkstümlicher als ehedem. Beinahe jedes kleine
        

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