Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Schmiedekunst
Person:
Meyer, Franz Sales
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1656576
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1657370
Dritter 
Abschnitt. 
Allerdings läfst sich hierbei, entsprechend der nämlichen Er- 
scheinung in anderen Zweigen des Kunsthandwerks, die Wahrnehmung; 
machen, dafs die Vervollkommnung der technischen Hilfsmittel durch- 
aus nicht immer eine Vervollkommnung der damit erzielten Erzeug- 
nisse bedeutet. Bei näherer Überlegung erscheint diese Wahrnehmung 
auch gar nicht unnatürlich und widersinnig. So ist es unter anderem 
sehr naheliegend, dal's das Eisenmaterial unter der Einwirkung des 
wiederholten Schmiedens und Schweilsens qualitativ nur gewinnen 
konnte; die Handarbeit hat aber nicht allein ein besseres Eisen ge- 
liefert, als es die neuere Maschinenbearbeitung durchschnittlich erzielt, 
sondern auch die äufsere Formgebung hat entschieden bei der Hand- 
arbeit etwas Frisches, Urwüchsiges und Originelles gegenüber der 
maschinellen Behandlungsweise, wenn die letztere auch unstreitig 
sauberer und exakter in die Erscheinung tritt. Vergleichen wir eine 
Handstickerci mit der Maschinenstickerei, so gelangen wir zum nämlichen 
Resultat, und gerade so liegt die Sache auf anderen Kunstgebieten. 
Die Handarbeit mit den verhältnismäßig einfzrchen Werkzeugen hat 
aber auch grofse Zeitopfer angefordert; die Arbeitsmaschinen ver- 
danken in erster Reihe ihre Entstehung dem Suchen nach Abkürzung 
und Erleichterung der Arbeit und der damit verbundenen billigeren 
Herstellung. Schon aus diesen, sowie aus verschiedenen anderen 
technischen Gründen war die alte Handarbeit auch nicht in der Lage, 
Objekte von grofser räumlicher Ausdehnung zu schaffen, und wenn 
dies doch hin und wieder versucht wurde, so durften die betreffenden 
Leistungen der staunenden Anerkennung sicher sein. 
Sehen wir von der Waffenschmiedekunst ab, mit welcher der 
vierte Abschnitt des Handbuches sich noch speziell befassen wird, so 
verschafft die Kunstschmiedetechnik des Mittelalters in Anwendung 
auf Architektur und Gewerbe sich etwa vom I0. Jahrhundert ab 
Geltung. Wenigstens stammen aus dieser Epoche die ältesten der 
erhaltenen Arbeiten. Aus dem I2. und 13. Jahrhundert liegen bereits 
hochbedeutende Erzeugnisse vor. 
Auch hier war es zunächst die Kirche, welche die Kunst in 
ihre Dienste nahm und ihr die gröfseren Aufgaben stellte. Zunächst 
sind zu bemerken die Beschläge für Thüren und Thore, sowie für 
Truhen und Schränke, ferner die Fenster- und Abschlufsgiitter, die 
stehenden und hängenden Leuchter. Für profane Zwecke, für die 
Ausstattung der Burgen und bürgerlichen städtischen Gebäude kommt 
noch verschiedenes hinzu an Fetierböcken und anderem Kamingeriite, 
an Wandankern, Thürklopfern u. s. w. 
Die äufsere Erscheinung der romanischen Schmiedearbeiten zeigt 
wenig Zierliches, die Formen sind voll, gedrungen und machen einen 
sehr soliden Eindruck. So passen sie sich in ihrer Einfachheit dem 
Stile der Architektur und Ornamentik an, die ja den nämlichen 
Charakter zeigen. Am zierlichsten und reichsten sind noch die T hür-
        

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