Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Schmiedekunst
Person:
Meyer, Franz Sales
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1656576
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1657364
Geschichtliche 
Entwickelung der Kunstschmiedetechnik. 
Die Schlufsbetrachtung über die antike Eisentechnik Iäfst sich 
kurz dahin zusammenfassen: Griechen und Römer kannten das Eisen, 
gewannen dasselbe in offenen Herden oder kleinen Öfen mit natür- 
licher Windzufuhr oder mit Blasbalggebläset erzielten hierbei ein 
Material, das teils den Charakter des Schmiedeisens, teils des Stahls 
zeige, verarbeiteten dasselbe im allgemeinen zu Gegenständen, die 
nicht wohl aus einem anderen Material sein konnten, und gaben ihm 
eine ausgesprochene künstlerische Form nur ausnahmsweise. Das 
Gufseisen und die Art der heutigen Schmiedeisen- und Stahlgewinnung 
blieben ihnen fremd und mufsten es nach dem damaligen Stand der 
Wissenschaft und der technischen Hilfsmittel auch naturgemäß bleiben. 
Ein nennenswerter Einflufs der Antike auf die spätere Entwickelung 
der Kturstschmiedetechnik in unmittelbarem ist demnach Sinne nicht 
Vorhanden. 
Mittelalter. 
Während des Zusammenbrechens der römischen Weltherrschaft 
lmd in den Wirren der Völkerwanderung ging ein grofser Teil der 
antiken Kultur verloren und mit ihr so manche hochentwickelte 
Technik der Kunst und des Gewerbes. In Bezug auf die Schmiede- 
kunst lässt sich diese Behauptung jedoch kaum aufstellen. Erstlich war, 
wie dies aus dem vorhergegangenen Kapitel sich ergibt, die antike 
Eisentechnik in kunstgewerblicher Hinsicht nur von untergeordneter 
Bedeutung, und anderseits sorgten die ewigen Kämpfe und Kriege, 
die zwischen die alte und neue Kulturperiode fallen, reichlich dafür, 
Clafs wenigstens ein Zweig unseres Gebietes  die Waffenschmiederei  
nicht zur Ruhe kam und sich wohl oder übel notgedrungen technisch 
Vewollkoinmnen mufste. Wenn die Anforderungen der genannten 
Zeit sich vor allem auf die Qualität des Materials sowie auf den 
praktischen Zweck und kaum auf die äufserliche Formgebung gerichtet 
haben, so waren damit doch die Vorbedingungen für eine gedeihliche 
XVeiterentwickelung auch nach der formalen Seite für die nachfolgen- 
den friedlicheren Zeiten gegeben. 
Dem Mittelalter blieb es also vorbehalten, die Schmiedetechnik 
auf den Gebieten der Architektur und Kleinkunst selbständig zu ge- 
Stalten und für dieselbe den entsprechenden Stil zu linden. Das ist 
dieser Epoche denn auch in hohem Niafse gelungen. Es sind uns 
mittelalterliche Kunstschmiedewerke erhalten, die eine staunenswerte 
Geschicklichkeit und ein feines Formgefühl aufweisen. Unsere stau- 
nende Bewunderung mufs sich jedoch noch erhöhen, wenn wir uns 
überzeugen, mit welch einfachen Mitteln die Leistungen zu stande ge- 
bracht wurden, wenn wir bedenken, dafs Hammer und Ambos viel- 
fach die einzigen Werkzeuge waren, (lafs jeder Draht, jedes Blech 
Crst zu schmieden und nicht wie heute fertig zu haben war mitsamt 
den gewalzten Stäben in allen Formen und Gröfsen. 
 
        

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