Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Schmiedekunst
Person:
Meyer, Franz Sales
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1656576
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1657178
Zweiter 
Absöhnitt. 
Gesenk u. a., mögen die verschiedenen Prozeduren hiermit in Kürze 
vorgeführt werden. 
Das Schmieden des Eisens auf dem Ambofs mit dem Hammer 
geschieht am besten, wenn das Material bis zur hellen Rotglut 
erhitzt ist. Kleinere Stücke schmiedet ein Arbeiter allein; gröfsere 
Stücke erfordern einen oder mehrere Z uschläger (Schmieden im 
Takt). Durch Aufstofsen auf den Ambos und einige leichte Hammer- 
schläge wird das glühende Eisen vom Zunder befreit, welcher sonst 
in das Arbeitsstück eingeschlagen würde. Soll das letztere hart und 
elastisch werden, so wird das Schmieden bis zum Erkalten fort- 
gesetzt oder Hammer und Ambofs werden nafs gemacht. Durch das 
Nafsschmieden wird gleichzeitig eine glatte Oberfläche e1'zielt. Zu 
hart gewordene Gegenstände werden ausgeglüht, d. h. bis zur 
schwachen Rotglut erwärmt und langsam abgekühlt. 
Das Schweifsen, d. h. das Zusammenschmietlen zweier getrennter 
Teile in einen, geschieht bei starker W eifsglut. Beide Teile müssen 
gleichmäßig erhitzt sein. Da die V erbindungsilächen möglichst rein 
sein sollen, werden sie mit einem Schweifsmittel bestreut oder be- 
strichen, welches vor Oxydation schützt (Lehm, Quarzsand, Borax, 
Salmiak etc.) Die Hammerschläge sollen rasch, erst schwach und 
dann stärker, und von der Mitte nach aufsen sich folgen, damit die 
Schweifsschlacke sich ordentlich ausquetschen kann und unganze 
Stellen vermieden werden. Das Übereinanderschweifsen liefert 
selbstredend eine bessere Verbindung als das stumpfe Aneinander- 
schweifsen, weshalb die Teile entsprechend vorgerichtet, aufgespalten, 
abgefinnt etc. werden. Das Zusammenschweifsen von Eisen und Stahl, 
was hauptsächlich bei Herstellung von Werkzeugen in Betracht kommt, 
heifst Anstählen und erfordert besondere Aufmerksamkeit und be- 
stimmte Schweifspulver. 
Das Strecken ist gleichbedeutend mit der Verlängerung oder 
Verbreiterung des Schmiedestückes. Die mit der Hammerfinne ge- 
führten Schläge sind wirksamer als die mit der Hammerbahn; mit 
der letzteren werden die durch jene hervorgerufenen Rinnen wieder 
ausgeebnet. 
Das Stauchen ist der entgegengesetzte Vorgang und kommt einer 
Verkürzung und Verdickung gleich. Es wird bewirkt, indem man das 
Arbeitsstück auf den Ambofs oder einen besonderen Stauchklotz stöfst 
oder mit dem Hammer auf das eine Ende desselben kräftig zuschlägt. 
Das Richten mufs verbogenen und windschief gewordenen 
Stücken wieder die richtige Gestalt geben. Es erfolgt durchschnittlich 
mit dem Hammer auf dem Arnbos oder einer speziellen Richtplatte 
und kann warm und kalt geschehen. Das Richten wie das Strecken 
und Stauchen erfordern eine gewisse Geschicklichkeit, deren Hand- 
griffe sich schwer beschreiben lassen. 
Das Biegen kann ebenfalls warm oder kalt vor sich gehen. Das
        

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