Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Schmiedekunst
Person:
Meyer, Franz Sales
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1656576
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1656946
Chemisch-"fechnologisches 
Material. 
Bezug auf das 
der abfallende Glühspail oder Hammerschlag; der hiermit ver- 
bundene Materialverlust heifst Abbrand. 
Was die Erzeugung des Sehmiedeisens betrifft, so ist zunächst 
(lCr früher üblichen Renn- oder Luppenarbeit Erwähnung zu 
thun. Die im Holzkohlenfeuer unter Einwirkung der Gebläseluft 
direkt aus den Eisenerzen gewonnenen teigigen Eisenklumpen heifsen 
Luppen und werden mit dem Hammer weiter ausgeschmiedet. Da 
diese Methode wenig ausgiebig ist und einen grofsen Kohlenverbrauch 
bedingt, S0 ist sie nahezu aufser Gebrauch gekommen und durch die 
verschiedenen Arten der Frisch- oder Puddelarbeit ersetzt, durCil 
die Überführung von weifsem oder grauem Roheisen in Schmiedeisen. 
Das Frischen geschieht in sog. Frischherden. Das ROhCiSCH 
schmilzt bei lebhaftem"Holzkohlenfetier tropfenweisc ab, fällt durch 
die Gebläiseluft, wird hierbei entkohlt und sammelt sich am Boden 
in teigigen Klumpen, die durch mechanisches Zerteilen, Umwenden etc. 
wiederholt der Geblaseluft ausgesetzt werden. Durch den Frisch- 
prozefs erfährt das Material gleichzeitig eine Reinigung und Be- 
freiung von fremden Beimengungen. Bei Anwendung von vor- 
züglichem Rohmaterial führt der Prozefs auf das erste Mal zum Ziele 
(Einmalsehmelzerei oder Schwalarbeitl). Bei weniger gutem Material 
wird das Eisen nur halbgar; dem erstmaligen Feinen folgt ein 
zweites Frischen (Zvszeimeilschmelzerei, VVZIllOIICIISClIIIIiCClC). Wird bei 
dreimaligem Frischen das Material erst gefeint, das zweite Mal stahl- 
artig gemacht und erst zum drittenmal zu Schmiedeisen gargefrischt, 
S0 kommt die Dreimalschmelzerei in Anwendung (Deutsche Frisch- 
arbeit, Aufbruchschnliede). 
Die Überführung des Roheisens in Sehmiedeisen vermittelst des 
Puddelns erfolgt bei Steinkohlenfeuer in Puddelöfen, "wobei die 
Kohlen ihres Schwefelgehaltes wegen mit dem Eisen nicht in Berüh- 
rung kommen dürfen. Das Rohmaterial wird in einem vom Feuer 
getrennten Raum eingeschmolzen und durch kleine Öffnungen hin- 
durch oder durch Rotation des ganzen Raumes unter mitfsiger Luft- 
Zufuhr solange mechanisch behandelt, bis es sich in die teigartige 
Luppe verwandelt, 
Die Luppen, seien sie durch Frischen oder Puddeln erzielt, wer- 
den in glühendem Zustande gezangt, zerschnitten, zusammengeschweifst, 
paketiert, in prismatische Form gebracht, zu Stäben gewalzt u. s. w. 
und hierbei von den Schlacken gereinigt. Der früher übliche durch 
ein Wasserrad getriebene ßchwanzharnmer" ist neuerdings durch 
den vorteilhafteren Dampfhammer ersetzt. Durchschnittlich ist das 
gefrischte Eisen reiner, dichter und zäher als das gepuddelte; dagegen 
1S_t der Puddelprozefs der billigere und insofern allgemeinere, als er 
C111 weniger gutes Roheisen voraussetzt, als die Herdfrischerei. 
Durch das Raffinieren, als welches man das wiederholte Glühen, 
Aushammern und Auswalzen bezeichnet, wird das Material zähe und
        

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