Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Genremalerei, ihre Aufgabe und Begrenzung
Person:
Seemann, Theodor
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1647311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1647465
auftischten und dann über dem Beifall einer unverständigen 
Menge die ernsten Forderungen der Kunst vergessen. Gegen 
diese Art der Genremalerei seine Stimme zu erheben, war 
nicht nur ein Recht, sondern eine heilige Pflicht und auch 
Cornelius durfte sich derselben um so weniger entziehen, 
insofern er in seiner Eigenschaft als Akademiedirigent die 
seiner Leitung anvertrauten jüngeren Kräfte auf die Gefahren 
einer unwahren Kunst mit der ganzen Strenge eines unpar- 
teiischen Lehrers unablässig aufmerksam zu machen hatte. 
„Ich verachte jedes Machwerk und erkenne nichts als Kunst an, 
das nicht lebt", sagt er mit besonderem Nachdruck; aber er 
zeigt auch, dass es auf der anderen Seite nur "der Gedanke 
allein" ist, durch den die Natur auch zu einem Kunstwerke 
erhoben werden kann. Bei Cornelius handelt es "sich auch 
gar nicht, wie so Viele ihm bei seiner Abneigung gegen die 
Genremaler, nicht Genremalerei, angedichtet haben, um die 
Frage: 0b dieser Zweig der Malerei überhaupt ein der Kunst 
würdiger sei oder nicht, sondern ganz einfach darum: wie die 
Genremalerei geübt werden müsse, um den Forderungen einer 
denkenden und dichtenden Kunst im wahrsten und edelsten 
Sinne des Wortes entsprechen zu können. 
Ist denn aber die Genremalerei bis jetzt wirklich so ge- 
danken- und ideenlos gewesen, wie man ihr vorzuwerfen nur 
gar zu leicht geneigt ist? Sollte sie denn bis zur Stunde gar 
nichts geleistet haben, was das überlaute "Kreuzige!" ihrer 
Gegner zum Schweigen zu bringen vermöchte? Oder liegt es 
überhaupt nicht in ihrer Möglichkeit, ihre Darstellungen einer 
tiefernsten Idee, einem mehr wie oberflächlichen Gedanken 
unterzuordnen?  Die Beantwortung aller dieser Fragen 
hängt nicht ab von dem, was im Allgemeinen die Genre- 
malerei bis zur Stunde geleistet hat, sondern von dem, was 
das Genre leisten kann und auch leisten soll. 
 Wenn ich gleich im Eingange sagte, die Genre m alerei 
habe gleich dem Lehrgedichte neben der rein künstlerischen
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.