Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Genremalerei, ihre Aufgabe und Begrenzung
Person:
Seemann, Theodor
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1647311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1647636
chens bildete", auftischten, statt aus Dichterwerken malerische 
Variationen zu liefern, so ist doch auf der anderen Seite nicht 
einzusehen, weshalb die Zeit des Mittelalters in sittenbildlicher 
Beziehung dem Genremaler nicht auch allgemein interessante 
Stoffe bieten sollte, wenn er nur sonst dabei den rechten Ton 
zu treffen im Stande ist. Denn auch das Ritter- und Räuber- 
wesen, das in der Behandlung mit dem des Märchens durchaus 
verwandt ist, bildet ebenfalls eine von den vielen Seiten der 
Genremalerei und kann sehr wohl ein nationales Gepräge 
tragen, ohne darum in eine "fade Deutschthümelei" auszuarten, 
wie sie sich allerdings in der Kunst der 30 er Jahre mani- 
festirte. Der leider für die Kunst zu frühe dahingeschiedene 
Sch wind hat in dieser Richtung die beachtenswerthesten An- 
deutungen gegeben und sowohl in seinem „ Märchen von 
den sieben Raben" als in seinem "Aschenbrödel" und 
der "Einweihung des Freiburger Münsters" u. s. w, 
die sämmtlich und ohne Frage dem höheren Genr e angehören, 
gezeigt, wie man derartige Steife national zu behandeln und dem 
Verständniss nahe zu bringenhabe. Liegt doch der Schwerpunkt. 
des Genre als national-typische Kunst in der Art und Weise 
der Auffassung des Stoffes, d. h. in der psychologischen 
Durchdringung des Sujets, und wenn ich auch gern zuge- 
ben will, dass die Gegenwart es dem Künstler in dieser Hin- 
sicht leichter macht, so schliesst dieses denn doch die Mög- 
lichkeit nicht aus, auch die Vergangenheit uns national 
nahe zu bringen, zum mindesten ihr ein Gepräge zu geben, 
das den sittengcschichtlichen Aufzeichnungen nicht absolut 
entgegensteht. 
Trotzdem bleibt natürlich die Gegenwart für das Sitten  
b il d die ohne Frage wichtigste Seite dieser Kunstrichtung, weil, 
wie ich schon oben bemerkt habe, der Künstler ihr das Na- 
tionale am vollkommensten abzulauschen vermag. 
Im Nationalen liegen aber wiederum so mancherlei ty- 
pische Unterschiede, dass es fast für den einzelnen Künstler-
        

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