Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Genremalerei, ihre Aufgabe und Begrenzung
Person:
Seemann, Theodor
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1647311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1647608
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gen gewählt habe. Gerade das Letztere ist der schwache Punkt 
der Niederländer, deren ganze Kunst oft nur in einer sauberen, 
aber eben darum den Laien so leicht bestechlichen Technik be- 
steht. Nur da, wo der rohe Naturalismus (Ostade) in' der 
Kunst zur Anschauung gelangte und das moralische Verhalten 
des gewöhnlichen Volkes zeichnete, sind die Niederländer Re- 
präsentanten einer sittenbildlichen Kunst im wahrsten Sinne 
des Wortes. 
Zum Glücke ist die Genremalerei aber endlich doch sowohl 
über die rohe Lebenslust der Niederländer, als über den 
"reflectirten und raffinirten Epikuräismus der Hofgesellschaf- 
ten" Ludwig XIV. hinweggekommen, und wenn es auch dem 
einen oder anderen Künstler der Neuzeit gefallen hat, galante 
Hofcavaliere und elegante Staatsdamen in Reifröcken und mit 
gepudertenFrisuren zum Vorwurf seiner Kunst zu machen, 
so ist doch die Manier des rein Aeusserlichen aufgegeben und 
die Darstellung solcher Sujets eine clurchdachtere, geistig be- 
deutsamere geworden. Sowohl die niederländische, wie fran- 
zösische Schule hat ihre grosse Berechtigung und ist auch von 
so eminent sittengeschichtlicher Bedeutung, dass wir sie leider 
nicht entbehren können , wenn wir dem Genre überhaupt eine 
sittengeschichtliche Mission vindiciren wollen. Denn beide sind 
nicht aus dem Kreise des Heimathlichen herausgetreten 
und haben auch sonst für die technische Entwickelung dieses 
Zweiges der Malerei so beachtenswerthe Fingerzeige gegeben, 
dass wir sie mit all ihren Mängeln dennoch als höchst wichtige 
Vorläufer unserer 'von Düsseldorf und München ausgehenden 
neuen deutschen Schule der Genremalerei anzusehen haben. 
Beide Schulen stehen aber nicht allein deswegen auf einem 
höheren Standpunkte, weil sie mit Hasenclever solche 
Darstellungen wählten, an denen sie ihre „geistreichen psy- 
chologischen Studien und Beobachtungen" verwerthen konnten, 
sondern vorzugsweise dadurch, dass sie sich auf den rein 
nationalen Standpunkt stellten, narh allen Richtungen hin
        

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