Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Genremalerei, ihre Aufgabe und Begrenzung
Person:
Seemann, Theodor
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1647311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1647597
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nehmen, sich doch auch dem Allgemeinen nicht entziehen 
können, ja, wie sie sogar oft inmitten solcher Verhältnisse 
ihren eigenen Gegensatz bilden, je gründlicher löst er seine 
Aufgabe als Sittenbildmaler. Denn oft wird erst durch das 
nähere Eingehen auf das larivate Leben, das der Künstler aller- 
dings mit psychologischer Feinheit darzustellen hat, die ge- 
schichtliche That dieser oder jener Person verständlich und 
das private Leben selbstwiederum nur begreiflich, wenn sich 
in ihm die Zeitverhältnisse mit allen ihren Eigenthümlichkeiten 
klar und deutlich abspiegeln, ja, wenn sich erkennen lässt, 
dass der Held bei aller Besonderheit schliesslieh doch nur ein 
Product seiner Zeit sei und nichts thue, wozu er, genau be- 
sehen, nicht durch die unerbittlichen Verhältnisse getrieben 
werde, sollte auch das Wann und Wie aus der Tiefe seines 
entsehliessendcn Geistes hervorgegangen sein. 
Diese Abhängigkeit des Einzelnen vom Allgemeinen ist 
allerdings auch für den Historienmaler bestimmend; allein in 
seinen Darstellungen tritt das Allgemeine doch so weit hinter 
das Besondere zurück, dass dieses als das Bestimmende er- 
scheint und der Held selbst nicht den Einfluss erkennen lässt, 
den „die Gesammtheit, innerhalb der er sich beündet", auf ihn 
ausübt. Im geschichtlichen Sittenbilde dagegen findet das 
umgekehrte Verhältniss statt, insofern der Maler absicht- 
lich die mancherlei Einflüsse, soweit sich diese überhaupt 
bildlich darstellen lassen, als mitwirkend darstellt und seine 
Helden nicht anders erscheinen lasst, als es deren Stellung in- 
mitten der Gesammtheit und innerhalb des Kreises, in dem sie 
sich bewegen, zulassen kann. Dazu gehört aber mehr als ein 
oberflächlicher, mehr als ein blos äusserlich beobachtenden" 
Kopf und gewiss ein sehr feiner Takt, um die allerdings mit- 
wirkenden Nebendinge auf Kosten des Hauptgegenstandcs 
durch technische Vollendung und Bevorzugung nicht s o hervor- 
zuheben, dass es den Anschein gewinnt, als ob der Künstler 
dieses oder jenes Sujet nur der dazu gehörigen Nebondinge we-
        

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