Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Genremalerei, ihre Aufgabe und Begrenzung
Person:
Seemann, Theodor
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1647311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1647580
zum Vorwurf seiner künstlerischen Thätigkeit macht, 
sollten auch derartige Motive gleichwohl wie jedes andere von 
hohem psychologischen Interesse sein. 
Hier ist der Blick  indem er das Allgemeinzuständliche 
in historisch- epischer Bedeutung erfasst , ein ganz anderer, 
insofern das Allgemeine unter dem Einiiusse des Besonderen, 
Exceptionellen eine demselben entsprechende Färbung erhält, 
d. h. erst durch die Art der Person, die uns der Künstler in 
'seinem auf das Allgemeine gerichteten Streben verführt, ein 
das Historische genreartig herührendes Interesse gewinnt. 
Stellt der Künstler in solcher Weise dar, so erhalten wir 
das geschichtliche Sittenbild und das Sittenge- 
schichtsbil d, die sich von einander dadurch unterscheiden, 
dass ersteres geschichtlich bekannte Personen in 
einem nicht geschichtlichen Momente (Friedrich d. G. 
Flöte blasend) bringt, während in letzterem d er geschicht- 
liche Moment blos repräsentirend, oder das Handeln 
der geschichtlichen Person, wie Vischer sich ausdrückt, 
nicht aus der Tiefe des entschliessenden Geistes 
dabei zum Vorschein kommt, das historische Interesse 
für die Culturformen nicht wie im strengen Geschichtsbilde 
zurückgedrängt wird und, was für diese Art ganz besonders 
charakteristisch ist, der Moment als eine nothwendige Folge 
einer bereits vollbrachten That erscheint, mithin absolut 
passiver Natur ist, wie z. B. der Rückzug der Franzosen aus 
Russland, Napoleon's Flucht bei Leipzig, Kleopatra im Zimmer 
Cäsars, Luthefs Einbringung auf die W artburg, Maria An- 
toinette zum Tode verurtheilt, die Grafen Horn und Egmont 
auf dem Todtenbette und ähnliche Motive und Darstellungen 
des historisch- genreartigen Lebens. 
Je tiefer der Künstler das nicht historisch Ent- 
scheidende an geschichtlichen Personen auffasst, d. h. je 
mehr er zeigt, wie sie trotz des exclusiven Standpunkts, den 
sie im politischen und social-culturgeschichtlichen Leben ein- 
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