Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Genremalerei, ihre Aufgabe und Begrenzung
Person:
Seemann, Theodor
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1647311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1647562
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zu thun, und zwar eben deshalb, weil sie sich, wie er glaubt, 
am liebsten in „gemüthlichen Familienkreisen aufhalte, wo der 
Humor das tägliche Brod würze" und die Liebe "den rothen 
Faden bilde, der unsichtbar durch Aller Herzen laufe. 
Rutenberg hat hier eben nur die eine und zwar am 
meisten bearbeitete Seite des Sittenbildes vor Augen und 
unterschätzt oifenbar die Genremalerei in ihrer allgemeinen 
Aufgabe, wenn er von ihr nur Motive dargestellt wissen 
möchte, die eine Beruhigung des Gemüths nach Arbeit und 
Sorgen des Lebens voraussetzen lassen. Wäre nur dieses die 
Aufgabe der Genremalerei, so könnte er vielleicht Recht haben, 
wenn er eine Störung der. idyllischen Gemüthsruhe durch tra- 
gischen Schmerz nur dann gestattet, wenn der Künstler ihm 
nebenbei auch noch eine komische Seite abzugeWinnen wisse, 
insofern er in diesem Falle überhaupt daran denken dürfte, 
den wirklich tragischen S chmerz durch einen gewissen 
Humor hinwegzuspotten. „Die Politiker" P1 athner's, 
welche Rutenb erg hierfür anführh, haben in dieser Darstel- 
lung durchaus nicht die tragische Bedeutung, dass es noth- 
wendig wäre, die Ehre der Genremalerei, die nach ihm vor- 
zugsweise in der komischen Seite zu gipfeln scheint, durch 
einen aristophanischen Beigeschmack zu retten. Denn ich 
wiederhole ausdrücklich , das G e nre als Sittenm alerei 
umfasst das gesammte zuständlichc Leben und hat 
als solche an sich schon eine so ernste Bedeutung, dass es voll- 
kommen gerechtfertigt ist, ja, durchaus geboten scheinen 
muss, wenn sie den Ernst der Idee nicht durch eine vorge- 
setzte Komik in dem Wahne zu brechen versucht, als sei sie 
nur berufen, die freundlichen Seiten des Men- 
schenlebens darzustellen. 
Sie verirrt sich nicht in die Gemächer der Grossen, 
lauscht nicht ohne die vollste Berechtigung hinter den Thüren 
mit den Ohren der Dienerschaft, steigt nicht absichtslos in den 
Pfuhl des gemeinen Lebens, noch watet sie ohne moralischen 
 
        

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