Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Genremalerei, ihre Aufgabe und Begrenzung
Person:
Seemann, Theodor
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1647311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1647519
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zeichnenden Eigenschaften vorführen. Oder der Künstler führt 
uns an den träumenden See, den leis rauschenden, von dichten 
Weiden beschatteten Bach, in den dämmerlichen Fiehtenwald, 
an das einsame, von romantischem Hauch umduftete Forsthaus 
und zeigt uns harmlose, ihre ganze Aufmerksamkeit auf das 
schwimmende Korkholz gerichtete Fischer, lauernde, die Dun- 
kelheit mit scharfem Blick durchdringende, auf dem Anstand 
stehende Jäger, mit dem klugen Hunde sieh besehäftigende 
Förster, auf der Weide melkende Mägde, korbflechtende und 
Besen bindende Bauern, bei den Schafen und Kühen sitzende, 
das Wetter mit klugem Gesiehte beobachtende oder Strümpfe 
strickende Schäfer, Kuh- und andere Hirten, Gänsemädchen, 
deren schnatterndes Geflügel den hochreifen Weizen des be- 
nachbarten Bauern zu kosten sich eben anschicken u. dgl. m. 
Hierher gehören auch die harmlosen Kinderscenen in den vier 
iWänden oder im Freien, wie sie Lu dw. Richter und Os ear 
Plet sch in so ganz besonders ansprechender und poesievoller 
Weise gegeben haben; ferner die Motive nachdenkender Arbeit, 
als Studiren, Schreiben, Malen, Rechnen, Lesen, weiter das 
vornehme Nichtsthun, das sich vorzugsweise durch ein die 
Technik herausforderndes Sichkleiden manifestirt und wobei 
oft, wie das die Niederländer leider zu viel gethan, das Indi- 
viduum zum lebendigen Kleiderhalter degradirt und alle Sorg- 
falt der Technik aufgewandt worden ist, das rein Stoffliehe 
in der täuschendsten Weise wiederzugeben; oder endlich der 
Superlativ des Nichtsthuns, der Schlaf selbst mit seiner indi- 
viduellen Seite, insofern er sich nach Alter, Temperament 
und Stand äusserlich geltend zu machen sucht. s 
Diese Kleinseite der Genremalerei ist allerdings reichlich 
ausgebeutet worden, aber man kann nicht sagen, dass sie sich 
eben darum nun überflüssig gemacht habe und keine Siege 
nach dieser Richtunghin mehr möglich mache, Im Gegentheil, 
das massenhaft Oberflächliche, das wir leider nicht hinweg- 
leugnen können, fordert erst recht auf, Besseres zu bringen
        

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