Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Genremalerei, ihre Aufgabe und Begrenzung
Person:
Seemann, Theodor
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1647311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1647484
tigen half und nach mehr wie einer Seite hin der bildenden 
Kunst einen neuen , frischen , von der Wahrheit lebenswarm 
durchströmten Geist einhauchte. Zum Glücke hat das grosse 
Publikum aus naheliegenden Gründen der Genremalerei von 
jeher ein grosses Interesse zugewandt , um gegenüber einer 
unwahren akademisch  zopiigen Historienmalerei zu consta- 
tiren, dass der Idealismus der bildenden Kunst im 
pulsirenden und formgebenden Leben liege und 
weder im Aktsaale, noch in den G alerien allein 
erworben werden könne. 
Doch ist es nicht der im Menschen besonders hervortre- 
tende Sinn für das Leichtfassliche und Anschauungsmögliche 
allein, der dem Genre so viel Anhänger erwarb; es ist viel- 
mehr ihre Richtung, ihre Tendenz, das, wenn ich so sagen 
darf; ziellos Zielende, das absichtslos Treifende, das lehrend 
Packende, ja, um es zu wiederholen, die sittliche Mission 
des Sittenbildes, die ihm ohne Frage eine grosse Zukunft 
sichert, vorausgesetzt, dass alle jene Bedingungen erfüllt 
werden, ohne welche es auf einen wahren Kunstwerth keinen 
Anspruch erheben kann. 
Seiner Form und Tendenz nach lässt es sich am ehesten 
mit dem Romane vergleichen, als es wie dieser dem epischen 
Boden der Wirklichkeit angehört, genau wie dieser. auch 
einen höchst lehrenden Einfluss ausübt, bei seiner vielseitigen 
Natur fast für einen Jeden interessante Anknüpfungspunkte 
bietet und, ihn gleichsam mit in das Bild hineinziehend, Dingen 
und Verhältnissen nahe bringt, die er vielleicht selbst einmal 
durchlebt und erduldet hat. Eben dadurch musste das Genre 
gegenüber der weit exclusivern H i s t 0 r i e nm a1 er ei auch 
allgemein bedeutender werden und einen Kreis von Künstlern 
finden, welcher diese Richtung, soweit die künstlerische Kraft 
es ermöglichte, ileissig ausbeutete und oft genug auch den 
Beweis lieferte, dass das Genr e, wie Hans Maka rti s wenn 
auch nicht tadellose, so doch phantasievolle "Pest von Flo-
        

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