Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1636711
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1638047
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mehr nach dem Grade, in welchem bei den griechischen Bildwerken der 
Bemalung Raum gegeben wurde. Gewiss ist, dass an vielen Wierken sich 
Reste farbiger Zierde an den Saumeil der Gewänder, den Schmucktheilen, 
ja selbst an den Augen von Marmorstatuen finden. Ebenso sind ver- 
goldete Diademe, Kränze, Waffen, ja selbst goldig schimmernde Ilaupt- 
haare keine Seltenheit. Ferner findet man an Erzstatuen die Augen mit 
Silber, und den Stern (larin (lureh dunkles Email oder durch funkelnde 
Edelsteine ausgelegt. Es ist keine Frage, dass alle (liesc Zuthaten einen 
Schritt in's malerische Gebiet bezeichnen, und dass die Griechen in 
ihrer besten Zeit solchen farbigen Schmuck an ihren Bildwerkcn häufig 
angewandt haben. Nun ist keine einzige Kunst jemals so abstrakt ge- 
wesen, dass sie nicht durch ein Iclinübergreifen in das Gebiet verwandter 
Künste sich einen tltissigeren, IDEUIIIlClIfHClIOYOII Lebensausdruck gesichert 
hatte: so wird man also auch der griechischen Plastik die gleiche 
Freiheit nicht versagen dürfen. Wenn aber eine Partei moderner Kunst- 
forscher so weit geht, den griechischen Statuen und Reliefs auch für die 
beste Zeit eine vollständige läemaltmg zuzuspreehen, so haben wir da- 
gegen zu erwidern, dass solche Annahme weder durch schriftliche, noch 
durch monumentale Zeugnisse des Alterthums bestätigt wird, dass da- 
gegen der Begriff der Plastik solchem völlig malerischen, auf Illusion 
ausgehenden Verfahren widerstreitet, und dass wir uns eine solche Ver- 
irrung von Seiten der Griechen nicht vorzustellen vermögen. Wenn in 
den ältesten Werken eine stärkere Anwendung der Farbe herrschte, so 
mag dies aus orientalischen Einflüssen und aus dem mangelhaften Ver- 
mögen der Plastik, die unwillkürlich zu malerischer Aushülfe ihre Zu- 
flucht nehmen mochte, zu erklären sein: für die Zeit der vollendeten 
Bluthe wvar die griechische Plastik, im Vollbesitz ihrer hohen Meister- 
schaft, hinlänglich befähigt, Alles was ihr am Herzen lag und in ihren 
Darstellungskreis fiel, ohne Aushülfe bunter Malerei zu höchstem Leben 
durchzubilden.
        

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