Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1636711
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1638023
Zweites B1 
Verbindung 
mit der 
Architektur. 
Ephesier, die pferdcköptigc Demeter Melaina bei Phigalia sind Ausnah- 
men, die allerdings auf Reste einer alten zisizitisehen Lieberlieferung deuten. 
Gewisse phantastische Gestalten entlehnt die griechische Plastik (lem 
Orient, allein sie (lrüekt sie zu Nebenfigtirtni herab, die ihre bestimmte 
Stelle in lokalen Sagen rerhalteu. So die Sphinx, die llarpyien. die 
Greifen. Wo sie für gewisse Zwecke der Charakteristik Formen des 
Mensehenleibcs mit thierischcn verbindet, da virrfiihrt sie gerade in 
umgekehrtem Sinne wie die assyrische und ägyptische liunst: sie be- 
hitlt- den menschlichen Kopf bei und giebt nur dem übrigen Körper 
Tlhiergestalt. S0 bei den Kentauren, den Satyrn, den Giganten. Nur 
der liliiictaurosbildet eine Ausnahme, die auf Kreta durch die Nachbar- 
schaftAegyptens ihre Erklärung findet. Wir begreifen, dass ein Volk, dem 
die höhere Bedeutung des Menschen als eines freien, sittlichen Wesens 
aufgegangen ist, den Kopf, den geilankenvollen Träger dieses geistigen 
Inhalts, über den Thierleib, nicht umgekehrt den Tlhierkopf als Herr- 
scher über den Menschenleib setzen mag. Weiss die griechische Kunst 
doch selbst der Thiergestalt ein höheres Leben zu geben und einen Strahl 
von dem Adel ihrer lilenschengestalten auf jene fallen zu lassen. Auch 
hier halt sie an ihrem Bildungsgesetze festrdie Natur in ihrer vollen 
Wahrheit so zu erfassen, dass das innere Gefüge des Organismus lebens- 
voll durch jede Linie der ausseren Form herxcrschimmere, zugleich aber 
den möglichst vollkommnen, schönen, harmonischen Ausdruck für jede 
Gestalt zu finden.   
Ueberblickeil wir nun die Reihe der Denkmäler, so gewahren wir 
bald, dass eine grosse Anzahl derselben, und (larunter Werke der 
höchsten Bedeutung, sich als sclnnückende Theilc des Tempelbaues ilarä 
stellen. Aber wie weit ist die griechische Plastik entfenit von jener 
Abhängigkeit, welche die orientalische an die Architektur fesselt! Bei den 
(äriechen lasst die bildende Kunst, nachdem sie für sich eine selbständige 
Entfaltung genommen hat, sich gleichsam von freien Stücken herbei, der 
Architektur als freundliche, schmückende Begleiterin sich anzuschliessen. 
Sie ist nicht wie bei den Orientalen die" Sklavin, die an allen Orten wohl 
oder übel ihre Hülfe darbieten muss; sie ist vielmehr ein edler, frei- 
geborener Gast, der durch seine Anmuth das Haus, das ihn aufgenom- 
men, von freien Stücken und aus eigenem Ilerzensdrange schmücken will. 
Daher wird dem Gaste denn auch sorglich die Stätte bereitet; nicht mit 
der zudringlichen Dienstfertigkeit des gctlßllkßlllüSßll Lßibßigencn der 
Architektur, wie im Orient, strömt er seine Gaben  über 
alle Flachen aus: sondern in sinniger Auswahl erhält die Metope, erhält 
der Fries seine Reliefs, das Giebelfeltl seine Statuengruppen, das Dach
        

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