Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1636711
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1637951
ERSTES 
KAPITEL. 
Die 
griechische 
Plastik. 
Ursprung um] Wesen. 
Die tiefeingreifende Umwälzung, Welche in der Geschichte unter 
dem Namen der „dorisehei1 Wanderung" bekannt ist, gab (ler grieehi- 
schen Nation den Anstoss zu jener grossartigen lilntwiteklung, die ihr für 
immer die unbestrittene Stellung des ersten Kulturvolkes der Welt. an- 
weist. Indem das rauhe Bergvollä der Dorer von Norden her wie ein Keil 
in die Bevülkeumgeil von Hellas und Peloponnes eindrang, alle Stämme 
in Bewegung brachte, die Mehrzahl der Ionier auf die Inseln und die 
Küste von Kleinasien zurüekwarf und überall durch die Reibung ver- 
schiedenartiger Stammeseharaktere den Funken eines kräftigen neuen 
Lebens hervorrief, wurden die alten Kulturverhältnisse erschüttert und 
(lurehbroehen, ehe sie in orientalische Dumpfheit übergehen konnten. 
Fortan beginnt das Leben des griechischen Volkes yvie von neuer 
Grundlage aus sieh umzugestalten; ohne in allen Punkten mit "der Ver- 
gangenheit zu brechen, gewinnt es einen Ausdruck von lliztnniehfaltigkeit 
und Beweglichkeit, (erringt es das Gepräge höchster Freiheit und reinster 
menschlicher Bildung, die ihm die Bedeutung klassischer Vollendung 
für alle Zeiten versehaifte. Im Gegensatze zum Orient, wo über vreite 
liii.mle1'streeke11 sieh eine erdrüekende Monotonie der Kultur ausbreitet, 
(Intfaltet sieh in (h-ieelieiilalid auf eng umgrenztcm, aber vielfach geglie- 
dertem Raum eine Fülle individuellen Lebens, als dessen Pole der 
derisehe und der ionisehe Stamm anzusehen sind.  
Die 
XVn 
lorisclne 
nlernug. 
alt: 
Wie nun Alles nach Freiheit und Selbständigkeit strebt, fallen die 
m Alloinhvri-schnftcn in Nichts zusammen, und aus dem Sturze der 
Neue Sinai s- 
nnd Lebens- 
formen.
        

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