Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1636711
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1637908
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Erstes Buch 
Noch prachtvoller wird der Palast des Alkinoos (Od. VII, S6  ge- 
schildert, der ebenfalls reich mit Erz und edlen Metallen geschmückt ist. 
An seiner Pforte stehen silberne und goldene Himde, von Ilephiistos ge- 
bildet, den Saal des Königs zu bewachen. Wie erinnert dies an die Sitte 
des Orients, Thiergcstaltcn als Portalhüter aufzustellen! Im Saale sind 
„goldnc Jünglinge auf schön erfundenen Gestiihlen" als Fackelhalter an- 
gebracht-. Nicht mindcr reich sind die Waffen, Rüstungen und Gcräthc aller 
Art mit lalastischcn Zierdcn versehen. Das We-hrgehcnk des Herakles (Od. 
XI, 610) starrt von goldnen Bildwerken, welche Thier- und Menschen- 
kämpfe enthalten. Selbst die Mantelspange des Odysscus ist in Gold mit 
der Darstellung eines Hundes, der ein Rchkalb gepackt hält, geschmückt. 
Mehrfach werden prächtige Schilde erwähnt, vor Allem jener berühmteste 
Schild des Achilles (Il. XVIII, 478 ff), den Ilephastos selbst arbeitet, 
und auf welchem in fünf (roncentrischcn Abtheilungen Himmel, lürde, 
Meer, das Leben des Menschen im Frieden iuid im Kriege, in der Stadt 
und auf dem Lande, Hoehzeitszug, Reigentanz und die Volksversamm- 
-lung mit ihren Rechtshandeln, die Beschäftigungen der Jahreszeiten, 
Säen und Erndten, das friedliche Weiden der Heerde, Angriff ZWGIOP 
Löwen auf die Rinderheerdc, dargestellt ist. Wer wird nicht aus dem 
Ueberblick über diese Schilderungen sofort erkennen, dass der Kreis der 
künstlerischen Anschauung hier derselbe geblieben, den uns die Werke 
orientalischer Kunst vorgeführt- haben. Schilderung der Wirklichkeit des 
Lebens der Menschen- und Thierwelt ist der ausschliessliche Gegenstand 
(lieser Plastik. Vergleichen wir damit die Beschreibung vom Schilde 
des Herakles, dieeuns ein bekanntes, dem Hesiod beigelegtes Gedicht 
liefert, so erkennen wir dort aus dem Umstande, dass sich bereits Scenen 
der Herocnsage _in den Kreis der Darstelhmg cindraiigen, eine ent- 
, schieden jüngere Entstehungszeit. Von dem Charakter dieser Werke ist 
uns freilich keine Anschauung geblieben; wenn wir aber die Thier- 
gestaltcn, die Ornamente und die streifenartige Eintheihmg der ältesten 
griechischen Vasen betrachten, so werden diese einen allgemeinen Rück- 
schluss auf die plastischen Werke  gestatten, der Wieder einen an 
asiatische Vorbilder erinnernden Styl. unverkennbar vor Augen bringt.  
: Es fehlt auch sonst nicht an sagenhaften Ueberlieferungen, denen 
r- als Kern ein reales geschichtliches Verhaltniss zu Grunde liegt, und die 
jene Herleitung der Kunst, und besonders der Metallarbeit aus Asien ver- 
bürgen. Wir erinnern nicht bloss daran, dass nach der Sage König 
Prötus Kyklopen aus Lykien zur Erbauung der Burgmaucrn von 'l'iryns 
kommen lasst; wichtiger für unsere Betrachtung erscheint die Ueber- 
liefeinng, welche die Werkzeuge und die einzelnen Zweige des tech- 
Sagenhafte 
Künstler- 
geschleclmzr.
        

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