Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1636711
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1644727
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Viertes 
Buch. 
Plastik bei 
üen übrigen 
Völkern. 
Neben den Deutschen und Franzosen treten die übrigen Völker im 
plastischen Schaffen der Gegenwart so sehr zurück, dass eine Betrachtung 
der vereinzelten lokalen Leistungen für die gesammte geschichtliche 
Uebersicht kaum von Werth "erscheint. Zwar fehlt es xiieht an Künstlern, 
auch nicht an Aufträgen, aber ein Iiachhaltigeres Wirken, eine erfolg- 
reichere Bethätigung lasst sieh nirgends erkennen. Belgien ist vor- 
wiegend abhängig von französischen Einflüssen und hat aus seiner glück- 
lichen nationalen Erhebung nur für seine Lieblingsknnst, die Malerei, 
aber keineswegs für die Plastik eine kräftige Nirnbelebnng geschöpft. 
Wohl errichtet man auch dort den grossen Männern Denkmäler, aber 
zu einer ächten historisch-m0numenta1en Plastik sind die Ansätze noch 
ClÜPflZlgGT als in Frankreich. Selbst der gefeierte Wilhelm Geeß hat 
in seinem Rubens zu Antwerpen, und seinem Gretry zu Lüttich 
keine wahrhaft lebensvollen Gestalten hinzustellen gewusst. Besser ge- 
lingen ihm wie seinen Kunstgenossen Fraikin, (Marmorstatue des ge- 
fangenen Oupido) Sinzonzlr u. A. die rein genrehaften Darstellungen. 
Geerls hat sich durch seine meisterlichen Chorstühle im Dom zu Ant- 
Werpen als Erneuerer mittelalterlicher Schnitzkunst bewährt. 
In England, wo der historische und politische Sinn so hoch ent- 
wickelt ist, sollte man vor Allem eine bedeutsame Monnnientallänxist er- 
warten. Aber so wenig die Engländer Sinn und Talent für die höhere 
geschichtliche Malerei haben, so wenig vermag sich bei ihnen eine bedeut- 
same Plastik zu entwickeln. Es fehlt nicht an einer beträchtlichen An- 
zahl von Denkmälern ihrer grossen Männer: aber sie sind durchweg so 
unglücklich ausgefallen, so styllos und doch zugleich selbst ohne alle 
energische Naturauffassung, dass man jegliches höhere laildnerisehe 'I'alent 
bei ihnen in Zweifel ziehen muss. Man braucht nur den unbedeutenden 
Wellington zu sehen, der auf seiner schmäehtig eleganten Stute quer 
über den 'I'r'iu1nphb0gen von Hyde Park dahinreitet, um zu begreifen, 
was dort im Bereich monumentaler Plastik möglich ist. Diese An: 
sehauung gewinnt von historischer Seite eine Bekräftigung, wenn wir 
uns erinnern, dass schon im 13. Jahrhundert sich Züge genrehafter Anf- 
fassung selbst in ihre Grabstatilen einschlichcn, und (lass dann bald ein 
nüchternerRealismus Platz griff, der nur ausnahmsweise durch continentale 
Einüüsse verdrängt wurde. Dagegen lasst sich ein gewisses Talent für 
die Genreplastik den heutigen englischen Künstlern nicht absprechen, 
nur dass auch dabei weniger das frische Naturleben, als eine süss- 
liche Sentimentalität vertreten ist. Nirgends hat Can0va's Geist so an- 
gesprochen und solche nachhaltige Wirkung ausgeübt wie dort. Weit-- 
aus der edelste und stylvollste von den heutigen englischen Bildhauer-n
        

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