Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1636711
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1644705
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Buch. 
Viertes 
dier's, Charles Simarl ("Orest") und Efeu; (zwei von den Reliefs am Arc 
de Plitoile), A. (Jllin (innig empfundenes hlarinorbild  
im Garten des Luxemhourg), Denis Foyaliel" (Spartacus) und (Iourlel 
(üppig bacehantische Gruppe eines Fauns und einer (Äentailrin), endlich 
keles Cavelicr mit seiner Penelope (1849). Durch die reiche Aus- 
sclnnückung, welche Paris in seinen öifentlichen Platzen und Gärten 
(Fuilerien und Luxemhourg), an seinen Brunnen (auf der Place de la 
Concorde, Fontainen von S. Sulpice, von S. Michel, auf dem Louvois- 
Platze) und seinen Neubauten (die meist misslungenen Statuen und Reliefs 
am neuen Louvre) erhalten hat und fortwährend erhält, wird der idealisti- 
schen Plastik ein lnibegrcnztes Feld der Thätigkeit freigehalten: aber die 
Production verliert sich dabei auch vielfach ins Aeusserliehe, Dekorative. 
Neben dieser massenhaften Idealsculptur tritt die ausschliesslich 
realistische Richtung entschieden zurück, obwohl sie einen der kühnsten 
und genialsten Verfechter, Pierre Jean David von Angers (1793-4856), 
aufzuweisen hat. Dieser bedeutende und rastlose Künstler ging gleich 
seinen Zeit- und Strebensgenossen vom Studium der Antike aus; aber früh 
schon entwand er sich der Abhängigkeit von einem bei seinen Landsleuten 
sehr eonventionell gehandhabten Formencanon und wart' sich einem rück- 
sichtslosen Naturalismus in die Arme, dessen Ziele häufig auf den nackten 
Realismus, auf Verkörperung der zufälligen und selbst der niedrigen Wirk- 
lichkeit hinauslaufen. Sein Philopömen im Louvre, der sich den Pfeil 
aus dem Schenkel zieht, zeigt in seiner kühnen Bewegung die scharfe Aus- 
drucksweise eines energischen Naturalismus. Als David (bis 1837) das 
grosse Relief für das Giebelfeld des Pantheons schuf, trat sein Gegensatz 
gegen die damals in Paris herrschende antikisirende Auffassung am schla- 
gendsten hervor. Die Composition illustrirt die Aufschrift des stolzen Ge- 
bäudes: „Anx grands hommes la patrie reconnaissante". In der Mitte die 
ernste Gestalt des Vaterlandes in strengem antikem B'altenw111'f ; auf beiden 
Seiten die grossen Männer, die Helden des Geistes und des Schwertes, 
darunter der General Bonaparte, welcher hastig neben den finsteren Krie- 
gern der Republik vorstürmt, um einen der dargereichten Siegeskranzc 
zu erobern. Das realistisch Bunte der Gruppen in ihren keck behandelten 
Zeitkostümen, das malerisch Freie der Anordnung lässt einen eigentlich 
plastischen Eindruck nicht zur Geltung kommen, und aller Geist, alle 
charaktervolle Lebendigkeit lässt doch nicht vergessen, dass hier mit 
den unumstössliehen Fundamentalgesetzen architektonisch-plastischei- 
Darstellung ein übermüthiges und unschönes Spiel getrieben ist. 
Dass David nach seiner Sinnesrichtung am bedeutendsten sein muss, 
wo es gilt das individuelle Leben (larzustellen, lasst sich vermuthen und
        

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