Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1636711
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1644650
1ftes Kap 
Die Hi] 
dnerei seit Canova. 
741 
Sodann hat Sehwanthaler eine Anzahl von grossen, zum Theil ko- 
lossalen Erzdenkmälern geschaffen. Unter diesen steht das 54 Fuss hohe 
Idealbild der Bavaria vor der Ruluneshalle als ein im Ganzen acht monu- 
mental gedaehtes und zu entsprechender Wirkung durchgebildetes Werk 
da. Wenn eine volle Individualisirung dabei nicht gelang, so lag das 
hauptsächlich an der eigenthümlichen Aufgabe, die etwas durchaus Ab- 
straktes hat. Unter den übrigen Werken_sind ihm die Gestalten aus dem 
Mittelalter am besten gelungen. So die zwölf prachtvollen vergoldeten 
Erziiguren bairiseher Herrscher im Thronsaal des Königsbaues zu Hün- 
chen, offenbar eine Nachbildung des Innsbrueker Maximilian-Denkmals. 
Ritterlich bewegt und stattlich hingestellt, zeigen sie, welchen Blick und 
Griff für acht monumentale Haltung Sehwanthaler besass. Verwandter 
Art sind die Standbilder Tilly's und Wrede's in der Feldherrnhalle. In 
solchen Werken, wie in der Walhallagruppe, dem Kreuzzugfriese klingt 
uns der romantische Geist der Zeit entgegen, wie er, zuerst durch die 
Befreinngskriege gefördert, naehmals im Leben, in der Literatur und 
Kunst so vielfach hervorbraeh. Wo es dagegen galt, Träger modernen 
Geisteslebens plastisch auszuprägen, da fehlt bei oft anerkennenswerther 
monumentaler Gesammtanlage ein tieferes Versenken in den besonderen 
Geist der Aufgabe und jene feinere Durchführung, die in jeder Linie den 
Grundeharakter des Ganzen naehtönen lasst. Am besten gelang dies noch 
bei der Statue Kreittmayrrs für München; dagegen sind Werke wie das 
Göthebild in Frankfurt und das Mozartdenkmal zu Salzburg geradezu 
als verfehlt zu bezeichnen.  
Die Schule Seliwanthalefs hat gerade diesen Mangel an Empfindung 
für das feinere Leben der Form, für die plastische Beseelung der ganzen 
Gestalt bis zur Gleichgültigkeit und Rohheit herabsinken lassen. Am 
besten sind noch die älteren Werke, besonders Orlando di Lasso von 
PVidnmann und Gluek von Brugger, die neuerdings vom Odeonsplatze 
ilaeh dem Promenadenplatze haben wandern müssenß") Aber wenn man 
die jüngsten Erzbilder der Maximiliansstrasse und gar das neue Denkmal 
Kurfürst Max Eninmnuefs auf dem Promeuadenplatze sieht, so muss man an 
Schwan- 
thalers 
Schuh. 
i) Dies Promeniren der Statuen, das man jetzt in Berlin nachahmen zu wollen 
scheint, ist eine nnbegreifliche Rohheit, und beweist, wie man heutzutage bei 
hoher theoretischer Bildung in der Aesthetik doch in der Praxis allen Sinnes für 
das monumental Schickliehe baar sein kann. Freilich ist es für viele solcher m0- 
(lernen Standbilder ganz gleich, wo sie stehen, weil sie überall schlecht sind und 
bleiben. Um auf dem Promenadenplatz die fünfjetzt dort versammelten Statuen 
zur Ansicht zu bringen, hat man schliesslich eine zweite Barbarei begangen und die 
eine Reihe der Bäuxne daselbst umgehauen!
        

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